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	<title>Speisesaal &#8211; KOLLEGSGESCHICHTEN</title>
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	<description>Geschichten vom Kolleg Sankt Blasien</description>
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	<title>Speisesaal &#8211; KOLLEGSGESCHICHTEN</title>
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		<title>Die Zusatzbutter</title>
		<link>https://kollegsgeschichten.de/1965/die-zusatzbutter/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hieronymus Fürst Clary]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Nov 2023 18:38:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[1965]]></category>
		<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
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		<category><![CDATA[Speisesaal]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine Episode aus dem Speisesaal des Kollegs Ende der 50er Jahre, einer Zeit, in der Butterstücke ganz besonders wertvoll waren. Eigentlich.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Als ich 1956 ins Kolleg kam, war der Zweite Weltkrieg gerade einmal 11 Jahre vorbei. Zumindest im Westen Deutschlands herrschte zwar keine Not und es gab beinahe alles zu kaufen, aber große Teile der Bevölkerung konnten sich noch lange nicht alles leisten.&nbsp;</p>



<p>In diesen Jahren war das Essen im Kolleg gesund und ausreichend, aber keineswegs gourmetös. So gab es z. B. zum Frühstück und zur Jause ausreichend Brot und Marmelade, aber keine Margarine oder gar Butter. Einige Eltern hatten aber deshalb schon vor 1956 durchgesetzt, daß man sog. &#8222;Zusatzbutter&#8220; beziehen konnte, die gesondert in Rechnung gestellt wurde. Jede Woche bekam man dann ein Viertel Pf. (125g) Butter, die &#8211;&nbsp; silbern verpackt, aber ungekühlt &#8211; in Schrank-Schubladen aufbewahrt wurde, welche jedem einzelnem Tisch zugeordnet waren. Da auch wir alle jeweils einem bestimmten Tisch fest zugeteilt waren, mußte nur jede Gruppe untereinander die Butterstücke auseinanderhalten. Ich kann mich nur an einen Mitschüler erinnern, der keine Zusatzbutter bekam, weil seine Eltern fanden, er solle sich nicht zu sehr an Luxus gewöhnen, um in eventuell mal wieder schlechteren Zeiten diesen dann nicht zu sehr zu vermissen. Alle wir anderen haben ihn dann halt an &#8222;Luxus&#8220; gewöhnt.&nbsp;</p>



<p>Wenn nun aber jemand aus irgendeinem Grund eine gewisse Zeit nicht da war, wurde trotzdem seine Butter ausgeliefert und auch in die Aufbewahrungs-Schublade des entsprechenden Tisches gelegt.</p>



<p>Im Sommer 1959 war unser Speisesaal im ersten Stock des Eckgebäudes mit Blick auf den Kurpark und mein Tisch derjenige beim ganz linken Fenster zum Patres-Garten hin. An einem Tag, der sicher schon im Juli und so heiß war, wie es damals halt heiß sein konnte, geschah folgendes: ein paar von uns jausneten und einer kam wieder dazu, der zwei Wochen krank gewesen war. Wie man dann halt so blödelt, wurde er aufgefordert, seine zwischenzeitlich aufgelaufenen Butterpäckchen zu entsorgen, da sie schon anfingen zu stinken. Cool, wie er sein wollte, nahm er das älteste Stück und schmiss es einfach hinter sich durch&#8217;s offene Fenster raus.&nbsp;</p>



<p>Ich war schon fertig und ging in diesem Moment weg, weil ich vor Beginn des Strengstudiums noch beim Br. Schmer an der Pforte etwas zu erledigen hatte. Dort waren dann auch noch zwei oder drei andere Schüler, und alle fuhren erschrocken herum, als plötzlich die Tür aufsprang und ein kleiner dicker Kurgast herein kam, auf dessen hochrotem Kopf ein aufgeplatztes Butter-Viertel prangte. Vor lauter wütender Schnappatmung konnte er überhaupt nicht sprechen, sondern deutete immer nur mit seinen Fingern auf seine Haare. Offenbar hatte er die Butter überhaupt noch nicht zu entfernen versucht, um besser beweisen zu können, was ihm passiert war.&nbsp;</p>



<p>Niemals werde ich dieses Gesicht vergessen, von dem links und rechts neben den Ohren und über die Nase ranzige Butter tropfte. Zwar war ich ja der einzige, der wusste, warum er das auf dem Kopf hatte, aber wir alle mussten halt bei diesem Anblick doch lächeln oder lachen, auch Bruder Schmer selbst. Das machte den Butter-Kopf noch wütender, was wiederum die ranzigen Rinnsale verstärkte.</p>



<p>Mein eigentliches Anliegen wäre unter diesen Umständen zeitlich nicht mehr dran gekommen und deshalb machte ich mich davon, blickte aber im rausgehen noch einmal von hinten auf den &#8222;Gesalbten&#8220;, dem auch über den Nacken das sich auflösende Fett in den Kragen rann.&nbsp;</p>



<p>Bei den Abend-Ansagen wurde dann gefragt, wer etwas vom Butterwurf wisse. Da wir ja dazu erzogen waren, uns auch zu unseren Fehlern zu bekennen, meldete sich der Verursacher, allerdings nur mit der verzeihbaren Version, die Butter sei ihm bei der Suche nach dem Haltbarkeitsdatum im besseren Licht am Fenster aus der Hand geglitten.</p>



<p>Das jesuitische &#8222;finis justificat modo&#8220; deckt sicherlich vieles ab, und vielleicht hat dieses Erlebnis dem Blutdruck des Auf-gebutterten ja auch wirklich und langfristig gut getan, der sich ja auch bestimmt irgendwann gewaschen und wieder beruhigt haben wird.</p>



<p>{Foto: <a href="https://kollegsgeschichten.de/author/lemmi/">Lemmi</a>, Quelle: Kühlschrank}</p>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Speiseplan</title>
		<link>https://kollegsgeschichten.de/1987/der-speiseplan/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Lemmi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Oct 2022 17:16:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[1987]]></category>
		<category><![CDATA[domhotel]]></category>
		<category><![CDATA[essen]]></category>
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		<category><![CDATA[Speisesaal]]></category>
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		<category><![CDATA[tischordnung]]></category>
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					<description><![CDATA[Wohin führen eigentlich all diese langen Gänge und  verschiedenen Treppenaufgänge im Kolleg? Welche Summe an Kilometern kommt wohl so zusammen innerhalb einer Kollegszeit, während man dort geht, schreitet und sprintet? Und mit welchem Ziel?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Wie viele Kilometer hat man damals wohl während seiner Kollegszeit auf den langen Kollegsgängen zurückgelegt?&nbsp;</p>



<p>Der Blick war &#8211; wahlweise müde, gelangweilt, fröhlich, starr, unruhig, hungrig, erwartungsvoll &#8211; meist auf die wechselnden Bodenbeläge gerichtet. Je nach Stockwerk präsentierte sich Beton, Holzparkett, Mamor. Der Klang der Schritte veränderte sich auf den langen Gängen jeweils eindrucksvoll. Zwischendurch grüßte man Lehrer, Präfekten, Mitschüler &#8211; meist nur mit einem routinierten Nicken. Am Abend und vor allem an Wochenenden begegnete man auch mal niemandem. Man schaute mal hinaus in die Innenhöfe, musste aufpassen, dass man nicht gegen eine der Stahltüren donnert, die gern mal durch freche Sextaner von der anderen Seite zugehalten wurden, und das mindestens zu Dritt. Die langen und teils verschachtelten Gänge und Treppenhäuser zwischen Neu- und Altbau machten es aber auch nicht schwer, einander &#8211; gewollt und weniger gewollt &#8211; aus dem Weg zu gehen.</p>



<p>Allein durch die habituell durchgeführten Prozessionen aus allen Flügeln des Kollegs zu den Speisesälen müssen sich für den Einzelnen über die Kollegsjahre hinweg hunderte von Kilometern Fußweg angesammelt haben. Frühstück, Mittagessen, Teepause, Abendessen. Wobei die &#8222;Teepause&#8220; vor den Studienzeiten nicht so häufig als solche genutzt wurde, weil &#8211; im Gegensatz zu den anderen Mahlzeiten &#8211; diese als freiwillige Veranstaltung deklariert war.</p>



<p>Je näher man sich den Speisesälen näherte, um so stärker präsentierte sich der Geruch, manchmal Duft, der jeweils angebotenen Speisen. Der Schritt beschleunigte sich entsprechend auf der Zielgeraden oder man kämpfte mit einem Fluchtreflex. Besonders stark war dieses Duftspektakel, wenn man sich über die Kellergänge den Speisesälen näherte, um am Ende unterhalb der Küche mit Anlauf die ausgetretenen Stufen des Treppenhauses empor zu hechten.</p>



<p>Im Speisesaal angekommen, schritt man dann möglichst lässig zu seinem angestammten Platz an dem Tisch, den man sich zu Beginn des Schuljahres ausgesucht hatte und der meist mit engeren Freunden besetzt war. Jeder Tisch hatte eine bestimmte Tischordnung, die einer gewissen Hierarchie des Essens folgte. Wer belegt den besten Platz, wer darf sich als Erster bedienen, wer bekommt das beste Stück…? Im besten Fall wechselte &#8211; nach leidenschaftlicher Diskussion &#8211; dieses Procedere täglich. Ausnahmen bestätigten die selbst gemachten Regeln der Tischgemeinschaft.</p>



<p>Waren alle Tische vollständig, gab es ein kurzes Signal. Fuzzi beispielsweise klatschte zweimal schnell hintereinander mit seinen großen Händen laut und &#8211; trotz allgemeiner Unruhe &#8211; für alle vernehmlich und es verstummte daraufhin schlagartig die von den Stühlen aufgesprungene, hungrige Horde. Konditionierung. Es folgte das Tischgebet und nach dem gemeinsam gemurmelten ‚Amen‘ polterten die Stuhlbeine erneut und es ging endlich los.&nbsp;</p>



<p>Zu den Tischmanieren, die häufig eine gewisse Eigendynamik entwickelten und teilweise das Einschreiten der Präfektur erforderlich machten, soll hier nicht näher eingegangen werden. Gaucho berichtete zum Thema „Food fight“ bereits <a rel="noreferrer noopener" href="https://kollegsgeschichten.de/1985/133/" target="_blank">hier eindrucksvoll</a> davon.</p>



<p>Apropos: Fuzzi sorgte immer für Nachschub, wenn er annahm, dass aufgrund der &#8222;Schaufeldynamik&#8220; seiner Zöglinge ein Nachschlag dringend erforderlich sei und meldete dies der Küche entsprechend nachdrücklich. Hungrig wollte er uns offensichtlich nicht entlassen und es war ihm anzusehen, wenn er sich Sorgen machte, dass wir nicht satt würden. Das Essen und die &#8222;Moral der Truppe&#8220; &#8211; das Wechselspiel ist hinlänglich bekannt und birgt gerade und insbesondere bei hungrigen Halbwüchsigen hohes Konfliktpotential. Mit unabsehbaren Folgen für „Zucht und Ordnung“ innerhalb der Kollegsgemeinschaft.</p>



<p>Alle waren ihm dankbar. Nicht nur in dieser Hinsicht.</p>



<p>Ein weiteres Phänomen stellt die kreative Nomenklatur der verschiedenen Gerichte und Getränke dar, die sich im Laufe der Kollegsgeschichte nur unwesentlich verändert haben dürfte: „Fensterleder“ für Pfannkuchen, „Bremsklötze“ für Frikadellen, „Spüli“ für die Zitronenlimonade, „Wochenrückblick“ für den Eintopf am Samstag…um nur einige optische und geschmackliche Assoziationen zu nennen, die sich etabliert haben in das kollektive Sprachgedächnis der (Alt-) Kollegianer. Euch werden sicherlich noch weitere Synonyme einfallen.</p>



<p>Das Essen, das durch das Team der Großküche des Kollegs damals zubereitet wurde, war unter den damaligen Umständen wirklich in den allermeisten Fällen gut (bis sehr gut) und nur selten daneben. Natürlich gab es bestimmte Lieblingsgerichte, die zu besonders lebhaftem Agieren aller Beteiligten führte: Toast Hawai, Nudeln (in allen Variationen), Pizza&#8230;und vor allem: SCHNITZEL!&nbsp;</p>



<p>Samstag oder Sonntags gab es abends immer die „Kalte Platte“, so dass viele sich &#8211; wenn möglich &#8211; entweder in den Abteilungsküchen eine eigene Mahlzeit (Spagehtti-Party, Toast-Wettessen) zubereiteten oder es sich im Fernsehzimmer des Restaurants im Dom-Hotel gemütlich machten, um Unmengen von Käsespätzle mit Soße zu verkosten. Dazu obligat: Weizenbier.</p>



<p>Wenn dort jüngere Kollegianer zugegen waren, denen solche Eskapaden laut Kollegsordnung nicht erlaubt waren, stand meist jemand am Fenster Schmiere und gab Alarm, falls der Schatten Fuzzis über den Domplatz schwebte.</p>



<p>&#8222;Fuzzi kommt!“</p>



<p>Ein plötzlich halb geleertes Fernsehzimmer im Domhotel, auf den Tischen verlassene, noch halbvolle, dampfende Spätzleteller, ein fast geleertes Weizenglas &#8211; dieser Anblick hätte Fuzzis Argwohn und seine unangemeldete Visite nur bestätigt.&nbsp;</p>



<p>Dass der Zusammenhalt über die Klassenstufen und Abteilungen hinaus Bestand hatte, zeigte sich dann in dem Umstand, dass sich die älteren Mitkollegianer, denen der Ausgang erlaubt war &#8211; zuerst um die umgestürzten Stühle kümmerten, nachdem die „Kleinen&#8220; das Etablissement fluchtartig verlassen hatten. Dann zogen sie sich möglichst beiläufig, quasi selbstlos, die verlassenen Teller und Gläser an ihren Platz, neben den eigenen Teller, das eigene Glas.</p>



<p>Und als Fuzzi dann das Eckzimmer erreicht hatte und mit ernster Miene die Szenerie mit schnellen Blicken abtastete, wurde die fraglos und betont lässig vorgetragene Erklärung, dass &#8211; natürlich, nun ja &#8211; der Appetit heute besonders groß sei, mit einem stummen Kopfschütteln quittiert. Er hatte die Situation sofort erfasst. Wenig überraschend.</p>



<p>Wie viele Kilometer hat man damals wohl während seiner Kollegszeit zurückgelegt &#8211; auf der Flucht aus dem Fernsehzimmer des Dom-Hotels, in die dunkle, kalte Nacht hinaus &#8211;&nbsp; vor Fuzzi?</p>
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