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	<title>Pater Fiala &#8211; KOLLEGSGESCHICHTEN</title>
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	<description>Geschichten vom Kolleg Sankt Blasien</description>
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	<title>Pater Fiala &#8211; KOLLEGSGESCHICHTEN</title>
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		<title>Das Kolleg &#8211; Der Erzieher &#8211; Der Pädagoge</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Johann Wilhelm Römer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 Dec 2022 12:13:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[1958]]></category>
		<category><![CDATA[Pater Adamek]]></category>
		<category><![CDATA[Pater Faller]]></category>
		<category><![CDATA[Pater Fiala]]></category>
		<category><![CDATA[prägung]]></category>
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					<description><![CDATA[Altkollegianer Johann Wilhelm Römer (Abi 1958) erinnert sich dankbar und wertschätzend an herausragende Persönlichkeiten seiner Kollegszeit: Pater Faller, Pater Fiala und Pater Adamek. 

Seine Begegnungen mit ihnen wirken nach. Bis heute.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size"><strong>Das Kolleg</strong></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_49268_AB_dgr_Jes_003_Otto-Faller-760x1024.jpg" alt="" class="wp-image-422" width="435" height="585" srcset="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_49268_AB_dgr_Jes_003_Otto-Faller-760x1024.jpg 760w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_49268_AB_dgr_Jes_003_Otto-Faller-223x300.jpg 223w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_49268_AB_dgr_Jes_003_Otto-Faller-768x1034.jpg 768w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_49268_AB_dgr_Jes_003_Otto-Faller-1141x1536.jpg 1141w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_49268_AB_dgr_Jes_003_Otto-Faller-1521x2048.jpg 1521w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_49268_AB_dgr_Jes_003_Otto-Faller-scaled.jpg 1901w" sizes="(max-width: 435px) 100vw, 435px" /><figcaption class="wp-element-caption">P. Faller SJ</figcaption></figure>
</div>


<p></p>



<p>Als ich 1949 in der Sexta die Schulbank drückte, war ich davon überzeugt, daß nach dem lieben Gott <strong>PATER FALLER</strong> einer der bedeutendsten Menschen auf der Welt ist. Ihm begegnete ich mit wirklicher Ehrfurcht, wobei die Betonung gleichermaßen auf beiden Worthälften lag. Wenn seine große, aufrecht schreitende Gestalt, um deren Lippen immer ein feines, wissendes Lächeln spielte, am anderen Ende einer der langen Kollegsgänge erschien, musste ich mich beim langsamen gegenseitigen Annähern fest darauf konzentrieren, ihn nicht mit „gelobt sei Jesus Christus“ sondern mit einem zaghaft gemurmelten „Grüß Gott P. Faller“ zu begrüßen.</p>



<p>Nein, Geschichten erzählte man sich bei uns nicht über P. Faller. Dafür waren die persönlichen Begegnungen von uns ganz jungen Kollegianern mit ihm wohl auch nicht intensiv genug. In unseren Kreisen kursierten auch keine Anekdoten über ihn. Allenfalls flüsterte man sich hinter vorgehaltener Hand zu: „ Der ist unheimlich gescheit, der weiß alles über Gott, spricht alle Sprachen und ist der beste Freund vom Papst“. Und es gab keine Zweifel daran, dass dies alles der Wirklichkeit entsprach, denn es wurde ja schon dadurch bewiesen, dass P. Faller für das Kolleg direkt vom Papst die berühmten Papstwecken bekam, etwas übergroße, aus blütenweißem Mehl gebackene Wecken, die für uns Kriegskinder ein kulinarischer Höhepunkt im wöchentlichen Einerlei der Kollegsküche waren.</p>



<p>Ja, P. Faller war das Kolleg. Zu ihm stand man &#8211; ohne Wenn und Aber,&nbsp; und vor allem, ohne sich wichtigtuerisch in Szene zu setzen. Das war für alle selbstverständlich, weil man sich einer gemeinsamen Sache und einer bemerkenswerten Persönlichkeit verpflichtet wusste.</p>



<p class="has-medium-font-size"><strong>Der Erzieher</strong></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_48701_Fiala-Johannes-842-KB-718x1024.png" alt="" class="wp-image-424" width="396" height="565" srcset="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_48701_Fiala-Johannes-842-KB-718x1024.png 718w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_48701_Fiala-Johannes-842-KB-210x300.png 210w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_48701_Fiala-Johannes-842-KB-768x1095.png 768w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_48701_Fiala-Johannes-842-KB-1077x1536.png 1077w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_48701_Fiala-Johannes-842-KB-1436x2048.png 1436w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_48701_Fiala-Johannes-842-KB.png 1900w" sizes="(max-width: 396px) 100vw, 396px" /><figcaption class="wp-element-caption">P. Fiala SJ</figcaption></figure>
</div>


<p>An <strong>PATER FIALA</strong> kam keiner von uns vorbei. Er war während unseres Aufenthalts im Kolleg unser akzeptierter Ersatzvater. Zu ihm entstand sogar eine gewisse emotionale Bindung: Nicht, dass man sich ihm aufdrängte, sondern eher nach dem Grundsatz „gehe&nbsp; nicht zu deinem Fürst, wenn du nicht gerufen wirst“ &#8211; aber er war in Ordnung. Daraus erwuchsen seine selbstverständliche Autorität, auch ein Vertrauensverhältnis. Man akzeptierte in aller Regel irgendwie seine erzieherischen Maßnahmen, hörte auf ihn und ließ sich von ihm in die Pflicht nehmen.</p>



<p>Er hatte ein gutes Gespür für seine Internatsbuben. Meine Mutter erzählte immer wieder einmal von einer Begegnung bei den in unregelmäßigen Abständen stattfindenden Gesprächen der Eltern mit P. Fiala über ihren Sohn, die natürlich ohne den Betroffenen stattfanden. Meine Mutter hat bei einer solchen Gelegenheit ihr Bedauern zum Ausdruck gebracht, daß ihr Bub zuhause halt so gar nichts von St. Blasien erzähle. P. Fiala hat darauf nur kurz und knapp geantwortet: „Dem lohnt es halt nicht“. Mit wie viel Heiterkeit meine Mutter diese Eröffnung ertragen hat, wollen wir hier nicht weiter vertiefen. Der Satz beweist aber, dass P. Fiala eine Menge Einfühlungsvermögen in die Gemütsverfassung eines Jünglings in den besten Flegeljahren hatte: Solche Phasen muss man gelassen aushalten und sie behutsam begleiten&nbsp; &#8211;&nbsp; eine Erfahrung auch für nachfolgende Generationen.</p>



<p>Mich selbst verbindet mit P. Fiala eine ganz unspektakuläre aber sehr persönliche Begegnung. Es war wohl in der Sekunda und ich musste dort einen für diesen Lebensabschnitt nicht untypischen Durchhänger gehabt haben, der einem sensiblen und aufmerksamen Begleiter wohl auffallen musste.&nbsp; In Frust und Unlust versunken schleppte ich mich in einer Unterrichtspause auf die Sheds. Unerwartet sprach mich plötzlich P. Fiala von der Seite an, den ich bis zu diesem Augenblick überhaupt nicht bemerkt hatte. Nach einem kurzen&nbsp; Frage- und Antwortspiel stellte er sachlich fest: „Aus dir wird einmal etwas“. Damit war das Gespräch beendet und P. Fiala verschwand von meiner Seite. Mich ließ er ziemlich ratlos zurück. Aus meinem „seelischen Tief“ hatte ich damals wohl bald herausgefunden, aber das Erlebnis wirkte nach. Der ganz ungewöhnliche, unübliche und eigentlich schon fast unzulässige Satz &#8211; wie darf ich mich so in die Zukunft eines Menschen hineindrängen&nbsp; &#8211;&nbsp; war weit mehr, als das schulterklopfende, über einen Tag hinwegtröstende „Du-schaffst-das-schon“.&nbsp; Es war eine Feststellung, ganz selbstverständlich und unaufgeregt, ohne jedes Pathos und schon gar nicht mit einem visionären Anspruch. P. Fiala bekannte sich ganz offen dazu, daß er an mich glaubte. Gerade darin lag die Langzeitwirkung: Dieses Erlebnis hat mich in meinem Leben immer wieder einmal eingeholt, gerade dann, wenn ich es mir eigentlich ein bisschen gemütlicher und bequemer machen wollte. Ob P. Fiala heute seine Feststellung als erfüllt bewerten würde, weiß ich nicht, aber sie hat mich immer wieder in die Pflicht genommen.</p>



<p>Es musste schon eine besondere Ausstrahlung von einem Mann ausgehen, wenn ein einziges kurzes Gespräch eine so nachhaltige Wirkung auf einen anderen hat. Es unterstreicht aber auch die Souveränität und Großmütigkeit von P. Fiala, ein Stück seiner eigenen Reputation zu riskieren, wenn es um seine Buben ging. Ja, auch der Erzieher P. Fiala hat wesentlich zum weit über St. Blasien hinausreichenden guten Ruf des Kollegs beigetragen.</p>



<p class="has-medium-font-size"><strong>Der Pädagoge</strong></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_48670_Adamek-Josef-580-KB-1024x941.png" alt="" class="wp-image-426" width="379" height="347" srcset="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_48670_Adamek-Josef-580-KB-1024x941.png 1024w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_48670_Adamek-Josef-580-KB-300x276.png 300w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_48670_Adamek-Josef-580-KB-768x706.png 768w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_48670_Adamek-Josef-580-KB-1536x1412.png 1536w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_48670_Adamek-Josef-580-KB.png 2000w" sizes="(max-width: 379px) 100vw, 379px" /><figcaption class="wp-element-caption">P. Adamek SJ</figcaption></figure>
</div>


<p><strong>PATER ADAMEK</strong>&nbsp; war ein Allrounder. Er begleitete im Laufe seiner Kollegszeit bis ins hohe Alter die unterschiedlichsten, wichtigsten Positionen in der Schule und im Internat.</p>



<p>Aber hauptsächlich war er sicher Lehrer. Ich sehe ihn immer noch auf dem Tisch der ersten Bank sitzend, von wo er gütig, geduldig, einfühlsam aber durchaus auch mit unerbittlicher Strenge und Konzentration seine Stunden durchzog. Er konnte in nahezu allen Fächern einspringen, wenn über kürzere oder längere Zeit ein Lehrer ausfiel. Bei ihm war deshalb Griechisch nie nur Griechisch, sondern immer auch Geschichte, Philosophie, Religion. Er schaffte es sogar, zur Mathematik lebenspraktische Bezüge herzustellen. Wir haben sicher manchmal bei ihm gestöhnt, aber er hat nicht nur gefordert, sondern auch gefördert. Vieles ist bei ihm im Gedächtnis hängen geblieben. Lernen war bei ihm wirklich auch mit einem Stück interessierter und neugieriger Freude verbunden. Schule machte bei ihm irgendwie Spaß. Vielleicht lag es daran, daß er fächerübergreifend, ganzheitlich Wissen vermittelt hat. Er hat Wissensbereiche, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, miteinander verknüpft und Einsichten vermittelt. Erst viel später ist mir klar geworden, daß P. Adamek ganzheitliches Lernen schon praktiziert hat, als das noch keineswegs Inhalt von Curricula war. Dank P. Adamek weiß ich, daß nicht derjenige der Gescheiteste ist, der die meisten Vokabeln kennt und die unterschiedlichsten mathematischen Funktionen ableiten kann,&nbsp; sondern derjenige, der unterschiedliche Bereiche miteinander zu verknüpfen versteht, Zusammenhänge erkennt und so über den Tellerrand hinaus Entscheidungen zu treffen vermag.&nbsp;</p>



<p>Aus meiner Sicht war P. Adamek der wichtigste und bedeutendste Pädagoge in meiner Schulzeit.&nbsp;</p>



<p>Fotos: SJ-Bild</p>



<p></p>
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		<title>Aus heutiger Retrospektive gesehen nicht ganz daneben.</title>
		<link>https://kollegsgeschichten.de/1969/aus-heutiger-retrospektive-gesehen-nicht-ganz-daneben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Peter Hoffmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Oct 2022 16:03:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[1969]]></category>
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		<category><![CDATA[Stella Matutina]]></category>
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					<description><![CDATA[Der allererste Schülersprecher des Kollegs meldet sich zu Wort und berichtet aus seiner 9-jährigen Internatszeit im Kolleg, in der er nicht nur viel erlebt sondern auch - insbesondere in der zweiten Hälfte der 60-er Jahre durch Einführung einer erstmaligen Schülermitverwaltung - bewegt hat. Es gab da wohl zunächst "gewisse Widerstände der Kollegsleitung"...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>In das Kolleg St. Blasien kam ich gewissermaßen nur im Rahmen einer zweiten Wahl. Mein Vater, der als Halbwaise aufgewachsen war &#8211; sein Vater war nämlich im ersten Weltkrieg bei Verdun gefallen &#8211;&nbsp; hatte sein Abitur in Feldkirch in der <em>Stella Matutina</em> gemacht. Der Aufenthalt dort hatte ihn so nachhaltig geprägt, dass es für ihn keine Frage war, dass auch seine Kinder dort in die Schule gehen würden. Aber meine Mutter war nach einer Ortsbesichtigung in Feldkirch so ernüchtert, dass sie eine zweite Alternative eingefordert hatte. <br>St. Blasien war zwar auch nicht viel einladender, alles war sehr groß und unübersichtlich, aber immer noch einen Tick besser als in Feldkirch, wo uns vor allem die Schüler in Erinnerung geblieben sind, die ausnahmslos mit langen Gesichtern herumliefen, und die kollektiv schwarz gekleideten Patres, die ihnen mit finsteren Mienen nachschauten, damit keiner etwas falsches macht.&nbsp;</p>



<p>Im Kolleg, ich kam 1960 dorthin und war immerhin neun Jahre dort, tat ich mich am Anfang &#8211; wenig überraschend &#8211; relativ schwer, weil ich oft das Gefühl hatte, irgendwie in einem falschen Film oder auf der falschen Bühne zu sein. Unser Lateinlehrer in der Sexta, Herr B. z.B., stellte sich der Klasse der Sextaner zwar mit seinem bürgerlichen Namen vor, er setzte aber auch gleich hinzu, dass wir ihn ausschließlich mit „Herr Professor“ anzusprechen hätten. Wir hatten damals sechs Stunden Lateinunterricht in der Woche, die mussten wir aber erst einmal überstehen, weil sich der Herr Professor beim Abfragen der Konjugationen und Deklinationen immer neben den jeweiligen Schüler stellte und im Takt von amo, amas, amat, amamus usw. mit seiner Faust auf unseren Oberarm boxte, um uns Schüler so gewissermaßen hautnah an den Rhythmus seiner Didaktik zu gewöhnen. Wir hatten alle nach und nach blau geschlagene Oberarme.</p>



<p>Auch das Schlafen in einem Schlafsaal mit 30 oder 40 anderen Mitschülern war mir am Anfang etwas unge­wohnt, vor allem deswegen, weil es immer elend kalt war und weil wir uns ausschließlich mit kaltem Wasser waschen konnten. Immerhin hatte jeder sein eigenes Waschbecken für sich, ein Luxus, den es später beim Militär nicht mehr gab.&nbsp;</p>



<p>Insgesamt habe ich mich im Lauf der Zeit, sprich in den ersten zwei bis drei Jahren, irgendwie so in die Hierarchieebenen des Internats- und Schulbetriebes eingefügt, dass ich mich im Kolleg wohlgefühlt habe und dort auch irgendwie heimisch geworden bin. Andernfalls hätte ich die Schule vorzeitig wieder verlassen müssen, was ich nicht tun wollte, schon allein um meine Eltern nicht zu enttäuschen. Denen habe ich stets geglaubt, dass sie mit meiner Entsendung auf diese Schule und in dieses finstere Schwarzwaldtal das Bestmögliche für mich und meine Erziehung und Ausbildung tun wollten, was auch wieder aus heutiger Retrospektive gesehen, nicht ganz daneben war.</p>



<p>In den ersten Jahren hatte ich einen honorigen Ansprechpartner im Haus, den mir mein Vater bei unserem Besuch im Kolleg dringend empfohlen hatte. Pater Fiala SJ war der Oberpräfekt für die Oberstufe, also eine durchaus gewichtige Respektsperson innerhalb der Kollegshierarchie, und er war vor allem ein ehemaliger Klassenkamerad meines Vaters aus der gemeinsamen Zeit beider in der Stella in Feldkirch. Bei ihm hätte ich jederzeit vorsprechen können, wenn mir alles zu viel geworden und über den Kopf gewachsen wäre, was aber zum Glück nie der Fall war. Aber allein die Existenz dieser Möglichkeit war damals schon ein großer Trost für mich. Außerdem kam nach dem ersten Schuljahr allein im Kolleg schon mein jüngerer Bruder Georg, ebenfalls als Sextaner, ins Kolleg und drei Jahre später der nächste Bruder Matthias. Insofern war ich niemals ganz allein auf mich selbst gestellt, aber das war ich sowieso nicht, weil ich bald schon eine ganze Reihe anderer Freunde unter meinen Mitschülern gefunden hatte.</p>



<p>Auch erinnere ich mich gerne an die Musik und da vor allem an unseren wackeren Kapellmeister Schuster, der gerne mal einen über den Durst trank und dann &#8222;seinen Männern&#8220;, wie er uns immer nannte, großzügig einen Cognak spendierte. Ich spielte Querflöte und konnte so sowohl im Blech als auch im Orchester mitspielen, sofern im Orchester etwas mit Flöte geprobt wurde, woran ich mich gerne erinnere. Leider ist mir mein Instrument verloren gegangen, ich würde es heute gerne hin und wieder noch spielen wollen.</p>



<p>Die Einzelheiten bei der letztlich erfolgreichen Einführung einer erstmaligen Schülermitverwaltung im Kolleg, die wir in der zweiten Hälfte der 60-er Jahre in Anlehnung an die Bestrebungen zur Einführung studentischer Mitbestimmung an den besonders „fortschrittlichen“ Universitäten in Frankfurt, Bremen und Berlin gegen gewisse Widerstände der Kollegsleitung durchgesetzt hatten, und meine anschließende Wahl in den Schülerrat sind mir nicht mehr im Detail in Erinnerung. Sicherlich war es nicht der Verdienst einzelner Personen, sondern es haben viele daran mitgewirkt, die Konstruktion auszudenken und zu etablieren, und ich war am Ende so etwas wie der Profiteur, wenn man das so bezeichnen will. Zu Beginn war das aber nie meine Absicht gewesen.</p>



<p>Immerhin war damals im Schülerrat auch der ein oder zwei Jahre jüngere Ivo Gönner mein Stellvertreter, der später in die Politik gegangen ist und über lange Jahre hinweg Oberbürgermeister in Ulm war. Als Schulsprecher habe ich es als meine Hauptaufgabe angesehen, Streit zu schlichten, wenn irgendwo welcher entstanden war, und den gab es immer mal. Ich kann mich gleichwohl an keinen Fall erinnern, für den wir nicht eine einvernehmliche Lösung gefunden hätten. Auch habe ich mich von der Kollegsleitung, P. Kiefel SJ war damals der Rektor, immer ernst genommen gefühlt und war sogar Mitglied im Kollegsrat, der allerdings relativ selten im Jahr zusammenkam. Sicherlich hätte man noch viel mehr machen können. Meine Vision war es immer, Kontakte zu anderen Schülermitverwaltungen in anderen Internaten herzustellen, aber wir mussten uns nebenbei ja auch noch auf das Abitur vorbereiten, und so war in der Kürze der Zeit einfach nicht alles möglich, was wir uns erträumt hatten. Heute mit Internet und Mobiltelefon ist das alles kein Problem mehr, aber das gab es 1968 alles noch nicht, das darf man nicht vergessen.</p>



<p>Nach dem Abitur 1969 hatte ich dann die Adressen aller Abiturienten eingesammelt und habe versucht, auf schriftlichem Weg alle fünf Jahre ein gemeinsames Treffen zu organisieren, was mir auch meistens gelungen ist. Oft haben wir uns in St. Blasien getroffen, um dort in Erinnerungen zu schwelgen oder neue Erfahrungen auszutauschen, aber einmal auch in München, wonach dann allerdings der allgemeine Wunsch geäußert wurde, doch lieber wieder in dem schönen Schwarzwald zusammen zu kommen.</p>



<p><em>(Foto: Altkollegianerin Carolin Hüttemann)</em></p>
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