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	<title>KOLLEGSGESCHICHTEN</title>
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	<description>Geschichten vom Kolleg Sankt Blasien</description>
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	<title>KOLLEGSGESCHICHTEN</title>
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		<title>&#8222;Das Kolleg hat mein späteres Leben entscheidend beeinflusst.&#8220;</title>
		<link>https://kollegsgeschichten.de/1949/das-kolleg-hat-mein-spaeteres-leben-entscheidend-beeinflusst-heiner-geissler-zum-50jaehrigen-abitursjubilaeum-im-kolleg-st-blasien-juni-1999/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Heiner Geißler]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 Dec 2023 13:06:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[1949]]></category>
		<category><![CDATA[Abitur]]></category>
		<category><![CDATA[Ausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Domkuppel]]></category>
		<category><![CDATA[Kloster Wald]]></category>
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		<category><![CDATA[theater]]></category>
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					<description><![CDATA[Als der Abiturjahrgang 1949 sein Goldenes Abi-Jubiläum feierte, hielt Altkollegianer Heiner Geißler eine Ansprache, in der er persönliche Einblicke in seine prägende Zeit am Kolleg zwischen 1946 und 1949 gewährt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em><strong>Heiner Geißler zum 50jährigen Abitursjubiläum im Kolleg St. Blasien, Juni 1999</strong></em></p>
</blockquote>



<p>Zwischen der Tausend-Jahr-Feier des Klosters St. Blasien und &#8211; sagen wir mal &#8211; der Gründung der Narrenzunft „Der Gaudi-Hans“ gab es noch ein weiteres bedeutendes Ereignis, nämlich die Matura des Abiturjahrganges 1949 im Kolleg St. Blasien!</p>



<p>50 Jahre später, nämlich am 19. Juni 1999, treffen sich diese Abiturienten wieder in St. Blasien. Einer von ihnen war ich &#8211; wir hatten damals das landesweit beste Zentralabitur von ganz Südbaden gemacht: Die Kollegsleitung war mächtig stolz auf uns, vor allem Pater Rektor Otto Faller SJ, der aber seine Freude angemessen zu verbergen wusste. Er war nur ein bisschen freundlicher als sonst zu uns. Das Kolleg hatte einen guten Ruf: Das hing auch damit zusammen, dass eine ganze Reihe von hochkarätigen Lehrern, Studienräten, Oberstudiendirektoren, die der Krieg aus der Bahn geworfen hatte oder im Luftkurort St. Blasien Heilung von ihren Kriegsleiden suchten, aber exzellente Lehrer geblieben waren, von den Jesuiten für den Schuldienst engagiert wurden.</p>



<p><strong>Eine schulische Elite versammelte sich am Kolleg.</strong></p>



<p>Und so kam es, dass im Kolleg damals eine gewisse schulische Elite versammelt war, die sich durch hohe fachliche Qualität auszeichnete. Einer der berühmtesten unter ihnen war der Oberstudiendirektor Kill, der uns Mathematik beibrachte und sogar imstande war, mich zu einem Fan der Mathematik zu machen. Es existierte auch ein Chemieprofessor Benl, der uns das periodische System lehrte. Aber die Qualität der Schule wurde vor allem von den Jesuiten begründet, an ihrer Spitze Pater Faller, der lange Zeit Berater von Papst Pius XII. gewesen war und der jetzt mit durchgedrücktem Rückgrat durch die Gänge des Kollegs schwebte und sich uns Schülern als eine imposante Lehrergestalt darbot. Charakteristisch war der Schwung, mit dem er alle fünf Minuten mit dem Mittelfinger seine Brille, die sich nach vorn auf die Nase verlagert hatte, wieder in die richtige Lage befördert hatte…Er war, wie ich fand, ein exzellenter Pädagoge und großartiger Latein- und Griechischlehrer. Er war jedoch eine absolute Autorität, war streng, aber gerecht, freundlich und dennoch unnahbar.</p>



<p>Pater Wiedemann lehrte Deutsch und Geschichte, wobei er mangels gedruckter Literatur einen eigenen 400 Seiten dicken Abriss der neueren Geschichte fabrizierte, der heute noch in meinem Besitz und außerdem lesenswert ist. Pater Heitlinger lehrte Griechisch, Pater Adamek Latein und Dr. Lotz, der Bruder des Philosophieprofessors Johann Baptist Lotz SJ, gab den Sportunterricht und lehrte moderne Fremdsprachen. Genaralpräfekt war Pater Frank SJ, die Präfekten der Abteilungen des Jahrgangs 1949 waren Pater Kranz und Pater Nitzsche; ebenso P. Laszlo Ballay SJ, ein junger Ungar, dessen durch mangelnde Deutschkenntnisse begründeter Autoritätsschwund durch seine großartige Liebenswürdigkeit und Freundlichkeit ausgeglichen wurde. Professor Fritz Kölble begann den Kollegschor aufzubauen, der Ende der 40er, Anfang der 50er weit über St. Blasien hinaus künstlerische Anerkennung erfuhr. Die Blaskapelle des Kollegs unter ihrem Dirigenten Schuster wurde zum Liebling aller Schüler und erfreute sich ungeheurer Popularität (einer der Bläser war frühzeitig Addi von Kerssenbrock, heute P. Kerssenbrock SJ in der Bronx von New York).</p>



<p>Wenn man liest, dass ein Schwerkriegsverletzter, nämlich der edle Reginbert von Seldendüren, ein Soldat, der in den Diensten Kaiser Heinrichs und Otto des Großen stand, nach seiner Genesung sein Vermögen den Benediktiner-Mönchen im Albtal vermachte und dadurch die ökonomische Basis für die Gründung des Klosters gelegt hatte, wird man daran erinnert, dass nach dem 2. Weltkrieg auch eine große Anzahl von ehemaligen Soldaten, die durch den Krieg gehindert worden waren, ihr Abitur zu machen, in St. Blasien dies nachgeholt hat.</p>



<p><strong>Mädchen am Kolleg &#8211; erwünschte, aber unerfüllte Vorstellung</strong></p>



<p>Unter den Neubürgern der Stadt war auch eine Reihe von Künstlern, die mit dem Kolleg zusammenarbeiteten und Musikunterricht gaben. In den ersten Jahren kam es oft zu hervorragenden Musikveranstaltungen, vor allem zu Kammermusikabenden, die von weltbekannten Künstlern wie Heinrich Schulnus gestaltet wurden.</p>



<p>Am 03.April 1946 war das Kolleg wiedereröffnet worden, und wenige Wochen danach begann der Unterricht mit 196 internen Schülern. Die damals 15- und 16jährigen, die in die Schule kamen, stellten dann den Abiturjahrgang des Jahres 1949. Im Jahre 1981 hatte das Kolleg 600 Schüler, heute etwa 800, davon 500 Externe. 1965 wurde das erste Mädchen in die Schule aufgenommen, 1971 waren es bereits 170, und seit dem Sommer 1989 gibt es sogar außer dem Internat für Jungen auch ein Internat für Mädchen, das in der völlig umgebauten alten Klostermühle eingerichtet wurde.</p>



<p>Für die Altblasier, die 1949 das Abitur machten, war dies damals eine zwar insgeheim erwünschte, aber noch unerfüllbare Vorstellung. Dabei gab es schon damals den Birklehof bei Hinterzarten, eine Dependance der Internatsschule von Salem, in der die Koedukation von Jungen und Mädchen bereits selbstverständlich war. Später entstand eine Partnerschaft zwischen dem Kolleg St. Blasien und der Mädchen-Schule und Internat Kloster Wald bei Sigmaringen, was zu regelmäßigen Begegnungen der jeweiligen Schülerinnen und Schüler der Kollegien führte.</p>



<p>In den Genuss dieser emanzipatorischen Entwicklung sind jedoch die Abiturienten des Jahrgangs 1949 nie gekommen. Irgendwo hatte aber die damalige Kollegsleitung, vor allem der Genaralpräfekt P. Frank gespürt, dass es ganz ohne Mädchen auch nicht geht, und so kam man auf die kühne Idee, einen Tanzkurs zu organisieren, der aber aus naheliegenden Gründen nicht in St. Blasien abgehalten werden sollte. Man kam schließlich auf die Idee, sogar einen Tanzkurs mit den Schülerinnen des Gymnasiums und Internats der Ursulinen in Freiburg durchzuführen. Zu diesem Zweck wurden die Leute aus der Oberabteilung eines Nachmittags auf den kollegseigenen Lastwagen verfrachtet und nach Freiburg hinuntergefahren. Die Veranstaltung wurde jedoch nach zwei „Begegnungen“ beendet, weil die Kollegianer sich offenbar derartig grobschlächtig aufgeführt hatten, dass die Mädchen sich weigerten, weiter an den Kursen teilzunehmen. Damit war dann das Experiment für die damaligen Schuljahrsabgänge vorerst erledigt.</p>



<p>Natürlich konnte der Drang nach dem weiblichen Geschlecht auch von den Jesuiten nicht unterdrückt werden. Die Natur bahnte sich mit Gewalt ihren Weg, das heißt, es gab bisweilen nächtliche Ausflüge in ein berühmtes Restaurant in Häusern, den „Albtalblick“, oder ins „Café EIl“ von St. Blasien, wo für manchen Kollegianer die ersten zarten Bande geknüpft wurden, was aber in einzelnen Fällen, nachdem es ruchbar wurde, zum Rausschmiss aus dem Kolleg führte.</p>



<p><strong>Bei Goethes Faust entwickelte sich eine fast tragische Dramatik</strong></p>



<p>Eine besondere Dramatik entwickelte sich anläßlich des Versuches der Abiturklasse 1949, unter der Regie des schon erwähnten und berühmten Pater Wiedemann, Goethes Faust 1. Teil zum Goethejahr von vor 50 Jahren aufzuführen. Während ich selber, der den Wagner als das Faktotum aus der ersten Szene des ersten Aktes spielen sollte, wegen schauspielerischer Unfähigkeit zum &#8218;zweiten Beleuchter&#8216; degradiert wurde, gab es in der Klasse herausragende Interpreten des Faust und des Mephisto. Die jesuitische Theaterintendanz machte jedoch den entscheidenden Fehler, anstatt das Gretchen aus jüngeren Jahrgängen des Kollegs zu rekrutieren, ein leibhaftiges Mädchen, eine schöne Bekannte unseres Faustdarstellers, als Schauspielerin zu engagieren. Was schließlich zu Liebes- und Eifersuchtsdramen mehrerer Hauptdarsteller führte und schließlich mit einem Selbstmordversuch im eiskalten Albfluss in einer Februarnacht des Jahres 1949 endete. Die weitere Theaterarbeit wurde daraufhin von der höchsten Kollegsleitung gestoppt und die beteiligten Darsteller gezwungen, sich wieder auf das Abitur im Sommer 1949 vorzubereiten.</p>



<p><strong>Per Lastwagen mit Holzvergaser vom Schluchsee nach St. Blasien</strong></p>



<p>Die Kollegsjahre von 1946 bis 1949 erinnerten zwar nicht gerade an den Wilden Westen, hatten aber doch einen Hauch von Pionierzeit aufzuweisen. Das begann schon mit der Anfahrt. Man fuhr mit der Eisenbahn nach Schluchsee, wobei zu Schulbeginn und Schulende jeweils ein Kurswagen ab Donaueschingen beziehungsweise Freiburg an den Zug angehängt wurde, in den die Kollegianer von ihren Wohnorten aus bequem zusteigen konnten. Diesen Komfort verdankten wir dem Umstand, dass der Bruder von P. Heitlinger der Bahnhofsvorstand in Donaueschingen war und von jenem zu dieser Vergünstigung bewogen werden konnte.</p>



<p>Mit der Eisenbahn konnte man also, wie gesagt, nur bis Schluchsee fahren. Von dort aus wurde man vom Kolleg mit einem Lastwagen abgeholt, und als ich zum ersten Mal 1946 dort ankam, war ich tief beeindruckt. Der Lastwagenmotor wurde von einem Holzgaskocher betrieben &#8211; ein Ungetüm auf der Ladefläche hinten schluckte zentnerweise kleine Holzstückchen, die nach einem unerfindlichen Verfahren in Gas verwandelt und einem Verbrennungsmotor zugeführt wurden, der heute mit Sicherheit schon auf zwei Kilometer Abstand vom TÜV aus dem Verkehr gezogen werden würde. Aber das Auto schaffte alle Steigungen und von Häusern an ging es ohnehin nur noch bergab ins Albtal hinunter. Damals sah ich in der Abendsonne zum ersten Mal die Kuppel des Domes von St. Blasien. Die vergoldete Kugel auf der &#8218;Spitze&#8216; sieht von unten wie ein kleiner Ball aus, sie ist jedoch so geräumig, dass darin, wie es in der ersten Baubeschreibung heißt, „ein Schuster mit seinem Lehrling darin arbeiten kann“. Natürlich sind einige wenige von uns während der Kollegszeit verbotenerweise in diese Kugel aufgestiegen, wobei das Hauptproblem darin bestand, beim Erklettern der die Kuppel tragenden, gebogenen inneren Holzgerüste nicht danebenzutreten, weil man dann durch den Stuck hindurchgestürzt und rund 60 m tief vor dem Hochaltar gelandet wäre…</p>



<p>In St. Blasien haben auch einige von uns das Skifahren gelernt. Wir fuhren damals noch mit Holzskiern und der Verschleiß war entsprechend, die Technik miserabel. Aber schon damals ging es mit Rasanz das &#8218;Fahler Loch&#8216; hinunter und auf den Feldberg wieder hinauf, ohne Steighilfe, und nach St. Blasien zurück &#8211; alles an einem Tag, denn meistens war es bei den Skiausflügen nicht erlaubt, im Caritashaus auf dem Feldberg zu übernachten, obwohl die Schwestern gern für die Kollegianer aus St. Blasien die Tore ihres Caritasheimes weit aufzumachen bereit waren. Erkältungskrankheiten im Winter wurden damals dadurch auskuriert, dass man an einem Tag auf den Feldberg rannte, dadurch eine Schwitzkur absolvierte und am Abend gesund wieder im Kolleg ankam.</p>



<p><strong>Lebensmittel-LKW aus dem Vatikan</strong></p>



<p>Die Jahrgänge 1946 bis 1949 erlebten auch insofern Pionierzeiten, als an den Kollegianern ausprobiert wurde, was für den Menschen gerade noch essbar ist. In den ersten zwei Jahren, 1946 und 1947, hatten wir ständig Hunger, und das Hauptproblem der Kollegsleitung bestand darin, für rund 200 Jugendliche und Heranwachsende das nötige Essen zu beschaffen. In ihrer Not verfiel sie auf die Idee, uns tagelang eine Kartoffelfrucht namens Topinambur vorzusetzen, deren Verzehr wegen ihres ekelhaften Geschmacks bei vielen zu Übelkeit, Erbrechen und Schlimmerem führte. Seit dieser Zeit wird sie nur noch zum Schnapsbrennen und zur Schweinemast verwendet. Ausgleich gab es dadurch, dass es einmal in der Woche, nämlich am Samstag, unbeschränkt Eintopf zu essen gab, in der Regel Erbsen- oder Linseneintopf. Die Leute schlugen sich die Bäuche voll, dass sie sich vom Esssaal nur noch zu ebener Erde in den Patresgarten schleppen konnten und dort zunächst zwecks Verdauung zwei Stunden liegen blieben.</p>



<p>Eine kulinarische Abwechslung gab es durch die sogenannten &#8218;Papstwecken&#8216;. Der Direktor des Kollegs, P. Otto Faller SJ, war während des Krieges engster Berater von Pius XII. in Rom gewesen, so dass dieser deutschfreundliche Papst regelmäßig Lebensmittel per Lastwagen mit Vatikan-Kennzeichen von Rom nach St. Blasien schickte. So gab es u.a. sonntagabends immer für jeden zwei dieser Papstwecken mit Apfelkompott. Erst 1948/49 wurde die Kollegsverpflegung dann besser.</p>



<p><strong>Die Ziegelfeld-Affaire: ‚Bärenstarke Roßknechte‘</strong></p>



<p>Das Kolleg ging damals auf Nummer sicher und legte einen eigenen riesigen Kartoffelacker auf dem sog. Ziegelfeld an, der, als die Feldfrüchte reiften, im Herbst nachts von Kollegianern bewacht werden sollte. Diese Wachen wurden im Herbst 1947 eines nachts von angeblichen &#8218;Roßknechten&#8216; aus Ibach überfallen und windelweich gehauen. Die Fahndungen verliefen jedoch ergebnislos, bis eines morgens in einer Schlucht zusammengefaltete Seiten mit Griechisch-Vokabeln gefunden wurden &#8211; offenbar von einem der Roßknechte als Huteinlage verwendet worden. Durch akribische Schriftvergleiche des Griechischlehrers wurde der Inhaber des Schriftstücks identifiziert und die vier &#8218;Roßknechte&#8216; wurden als Oberstufen-Kollegianer enttarnt.</p>



<p><strong>Erste Begegnung mit der Katholischen Soziallehre</strong></p>



<p>Ich will es bei diesen persönlichen Erinnerungen belassen. Es ist natürlich noch wesentlich mehr passiert. Nicht jeder war als Kollegianer gleichermaßen glücklich, aber die allermeisten haben ihre alte Schule in bester Erinnerung und ihre innere Beziehung nie abgebrochen. Ich selber war vom Kolleg und vor allem von den Erziehern und Lehrern, den Jesuitenpatres, begeistert. Wir bekamen eine sehr gute schulische Ausbildung, und die persönlich-charakterliche Erziehung im Internat hat sich für die allermeisten für ihren späteren Beruf und Lebensweg positiv ausgewirkt. In St. Blasien erfuhr ich zum ersten Mal Näheres über die katholische Soziallehre, was mein späteres Leben entscheidend beeinflussen sollte. Wir lernten hier auch die großen Philosophen des Ordens, von Nell-Breuning, Hirschmann, Lotz, um nur einige zu nennen, aus nächster Nähe kennen… Ich bin daher meiner alten Schule dankbar, dass sie mich auf mein späteres Leben gut vorbereitet hat. Sie hat meinen Horizont, wie es sich für Jesuiten gehört, erweitert, internationale Perspektiven aufgezeigt und soziale Verantwortung eingeübt.</p>



<p>Aus dem Kolleg kamen keine verklemmten Spießer, sondern gedanklich weltoffene junge Menschen, die sich allerdings auf die Freiheit des Studentenlebens freuten, die sie im Kolleg (noch) nicht bekommen konnten. Heute ist die Erziehung am Kolleg lockerer und das hat sicher auch seine Vorteile. Ich persönlich habe sehr gute Erinnerungen an diese Zeit, an die Menschen, die mich erzogen und gebildet haben. Ich habe, nicht nur unter meinen Klassenkameraden, viele Freunde gewonnen, wofür ich ebenfalls dankbar bin, und möchte die Jesuiten ermuntern, das Kolleg St. Blasien nie aufzugeben. In der Bildungslandschaft des Südwestens Deutschlands würde sonst eine großartige Bildungseinrichtung fehlen, die nur schwer durch eine andere Schule ersetzt werden könnte.<br></p>



<p><em>(Foto: Altkollegianer&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.wolfgangstahl.com" target="_blank">Wolfgang Stahl</a>)</em></p>



<p><em>Der Originaltext, zuerst veröffentlicht im „<a href="https://www.stellaner.de">Stellaner</a> Informationsdienst“ 07/1999, wurde der Rechtschreibreform gemäß aktualisiert, einige Schreibweisen jedoch belassen.</em></p>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Zusatzbutter</title>
		<link>https://kollegsgeschichten.de/1965/die-zusatzbutter/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hieronymus Fürst Clary]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Nov 2023 18:38:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[1965]]></category>
		<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[essen]]></category>
		<category><![CDATA[luxus]]></category>
		<category><![CDATA[Speisesaal]]></category>
		<category><![CDATA[streich]]></category>
		<category><![CDATA[zusatzbutter]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine Episode aus dem Speisesaal des Kollegs Ende der 50er Jahre, einer Zeit, in der Butterstücke ganz besonders wertvoll waren. Eigentlich.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Als ich 1956 ins Kolleg kam, war der Zweite Weltkrieg gerade einmal 11 Jahre vorbei. Zumindest im Westen Deutschlands herrschte zwar keine Not und es gab beinahe alles zu kaufen, aber große Teile der Bevölkerung konnten sich noch lange nicht alles leisten.&nbsp;</p>



<p>In diesen Jahren war das Essen im Kolleg gesund und ausreichend, aber keineswegs gourmetös. So gab es z. B. zum Frühstück und zur Jause ausreichend Brot und Marmelade, aber keine Margarine oder gar Butter. Einige Eltern hatten aber deshalb schon vor 1956 durchgesetzt, daß man sog. &#8222;Zusatzbutter&#8220; beziehen konnte, die gesondert in Rechnung gestellt wurde. Jede Woche bekam man dann ein Viertel Pf. (125g) Butter, die &#8211;&nbsp; silbern verpackt, aber ungekühlt &#8211; in Schrank-Schubladen aufbewahrt wurde, welche jedem einzelnem Tisch zugeordnet waren. Da auch wir alle jeweils einem bestimmten Tisch fest zugeteilt waren, mußte nur jede Gruppe untereinander die Butterstücke auseinanderhalten. Ich kann mich nur an einen Mitschüler erinnern, der keine Zusatzbutter bekam, weil seine Eltern fanden, er solle sich nicht zu sehr an Luxus gewöhnen, um in eventuell mal wieder schlechteren Zeiten diesen dann nicht zu sehr zu vermissen. Alle wir anderen haben ihn dann halt an &#8222;Luxus&#8220; gewöhnt.&nbsp;</p>



<p>Wenn nun aber jemand aus irgendeinem Grund eine gewisse Zeit nicht da war, wurde trotzdem seine Butter ausgeliefert und auch in die Aufbewahrungs-Schublade des entsprechenden Tisches gelegt.</p>



<p>Im Sommer 1959 war unser Speisesaal im ersten Stock des Eckgebäudes mit Blick auf den Kurpark und mein Tisch derjenige beim ganz linken Fenster zum Patres-Garten hin. An einem Tag, der sicher schon im Juli und so heiß war, wie es damals halt heiß sein konnte, geschah folgendes: ein paar von uns jausneten und einer kam wieder dazu, der zwei Wochen krank gewesen war. Wie man dann halt so blödelt, wurde er aufgefordert, seine zwischenzeitlich aufgelaufenen Butterpäckchen zu entsorgen, da sie schon anfingen zu stinken. Cool, wie er sein wollte, nahm er das älteste Stück und schmiss es einfach hinter sich durch&#8217;s offene Fenster raus.&nbsp;</p>



<p>Ich war schon fertig und ging in diesem Moment weg, weil ich vor Beginn des Strengstudiums noch beim Br. Schmer an der Pforte etwas zu erledigen hatte. Dort waren dann auch noch zwei oder drei andere Schüler, und alle fuhren erschrocken herum, als plötzlich die Tür aufsprang und ein kleiner dicker Kurgast herein kam, auf dessen hochrotem Kopf ein aufgeplatztes Butter-Viertel prangte. Vor lauter wütender Schnappatmung konnte er überhaupt nicht sprechen, sondern deutete immer nur mit seinen Fingern auf seine Haare. Offenbar hatte er die Butter überhaupt noch nicht zu entfernen versucht, um besser beweisen zu können, was ihm passiert war.&nbsp;</p>



<p>Niemals werde ich dieses Gesicht vergessen, von dem links und rechts neben den Ohren und über die Nase ranzige Butter tropfte. Zwar war ich ja der einzige, der wusste, warum er das auf dem Kopf hatte, aber wir alle mussten halt bei diesem Anblick doch lächeln oder lachen, auch Bruder Schmer selbst. Das machte den Butter-Kopf noch wütender, was wiederum die ranzigen Rinnsale verstärkte.</p>



<p>Mein eigentliches Anliegen wäre unter diesen Umständen zeitlich nicht mehr dran gekommen und deshalb machte ich mich davon, blickte aber im rausgehen noch einmal von hinten auf den &#8222;Gesalbten&#8220;, dem auch über den Nacken das sich auflösende Fett in den Kragen rann.&nbsp;</p>



<p>Bei den Abend-Ansagen wurde dann gefragt, wer etwas vom Butterwurf wisse. Da wir ja dazu erzogen waren, uns auch zu unseren Fehlern zu bekennen, meldete sich der Verursacher, allerdings nur mit der verzeihbaren Version, die Butter sei ihm bei der Suche nach dem Haltbarkeitsdatum im besseren Licht am Fenster aus der Hand geglitten.</p>



<p>Das jesuitische &#8222;finis justificat modo&#8220; deckt sicherlich vieles ab, und vielleicht hat dieses Erlebnis dem Blutdruck des Auf-gebutterten ja auch wirklich und langfristig gut getan, der sich ja auch bestimmt irgendwann gewaschen und wieder beruhigt haben wird.</p>



<p>{Foto: <a href="https://kollegsgeschichten.de/author/lemmi/">Lemmi</a>, Quelle: Kühlschrank}</p>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Das können Sie morgen in der Zeitung nachlesen, wenn ich mich traue”.&#160;</title>
		<link>https://kollegsgeschichten.de/1987/das-koennen-sie-morgen-in-der-zeitung-nachlesen-wenn-ich-mich-traue/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Arend Küster]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Aug 2023 20:19:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[1987]]></category>
		<category><![CDATA[Adalbert Kemna]]></category>
		<category><![CDATA[extern]]></category>
		<category><![CDATA[Pater Leu]]></category>
		<category><![CDATA[prägung]]></category>
		<category><![CDATA[studiobühne]]></category>
		<category><![CDATA[theater]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kollegsgeschichten.de/?p=644</guid>

					<description><![CDATA[Pater Leu, Patrick Süskind und ein Kontrabass  - oder: Die Geschichte einer Transformation
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Pater Leu, Patrick Süskind und ein Kontrabass&nbsp; &#8211; oder: Die Geschichte einer Transformation</strong></p>



<p>Als ich im Juni 1985 als externer Schüler nach St. Blasien kam, war mir indirekt die Chance schon klar, die sich mir geboten hat. Als jüngster von fünf Kindern war ich zuvor in Stuttgart auf die gleiche Schule wie meine Geschwister gegangen, die bis zu 12 Jahre älter waren als ich. Wir hatten dort also einen gewissen notorischen Bekanntheitsgrad erlangt, auch da meine Mutter seinerzeit die Vorsitzende des Elternbeirats war. Ich wurde also ständig am Verhalten oder den Ergebnissen meiner älteren Geschwister gemessen. Was zunächst von mir mit erstaunlicher Arroganz aufgegriffen wurde und sich schnell in den ersten Konflikten (wie der ersten sechs und einem ausgeschlagenen und seither fehlenden Schneidezahn) widerspiegelte, wurde ein allgemeiner schulischer Alptraum &#8211; bis sich die Chance auf einen Neuanfang am Kolleg bot.</p>



<p>So kam ich als einigermaßen verschüchterter Elftklässler nach St. Blasien und in diesem Zustand traf ich auf eine herausragende Gruppe von Mitschülern &#8211; und Pater Leu. Wir waren theaterverrückt, und Pater Leu hatte jeden Pfennig in die Bühnen des Kollegs gesteckt, den er durch Buchbesprechungen und andere Nebeneinkünfte, die ein Jesuitenpater so haben darf, verdiente. Eines Tages präsentierte er uns stolz seine neueste Errungenschaft: die Studiobühne. Intim, direkt und mit einer vollständigen Beleuchtungsanlage ausgestattet, samt Mischpult. Der perfekte Ort für Experimente. Wir führten damals zur Einweihung Priestleys Drama “Ein Inspektor kommt” auf.</p>



<p>Nachdem ich vorher immerhin beim Pfingsttheater einen Grossbauern in Brechts Kaukasischen Kreidekreis erfolgreich mit etwa einem Satz hinbekommen hatte, spielte ich nun einen Verlobten, der sogar auch mal etwas mehr sagen durfte. Das Problem nämlich war, dass ich stotterte. Und es war eine ungeheure Überwindung, etwas zu sagen, weil die Angst, dass ich hängenbleiben würde, immer mitsprach.</p>



<p>P. Leu allerdings war in vieler Hinsicht ungewöhnlich. Mit seinem leicht ironischen Lächeln hatte er uns eigentlich ganz gut im Griff und man könnte ein Buch über seine Eigenheiten füllen, mit denen er uns lehrte und führte. Das überlasse ich aber lieber denen, die das Glück hatten, mehr Zeit mit ihm verbringen zu dürfen &#8211; ich hatte ja nur zwei Jahre das Vergnügen und war ausserdem Externer. Dennoch hat Pater Leu meinem Leben einen entscheidenden Impuls gegeben, für den ich ihm ein Leben lang dankbar bin.</p>



<p>Es muss irgendwann während der Proben zum Inspektor gewesen sein, als ich in einem Nebensatz leichtsinnig fallen ließ, dass die Studiobühne doch ein toller Ort wäre, den Kontrabass von Patrick Süskind aufzuführen. Nikolaus Paryla hatte damit in München einen Riesenerfolg und ich dachte, ein Einmannstück passe auf eine solche Bühne. P. Leu hat sich natürlich eine solche Leichtsinnigkeit gemerkt und teilte mir ein paar Tage später mit: “Arend, im Herbst machst du dann hier den Kontrabass”.&nbsp;</p>



<p>Oha.</p>



<p>Mir rutschte mein Herz in die Hosentasche. Wie sollte das gehen? Ich stottere doch. Meine Mitschüler nannten mich gerne A-A-Arend, weil manchmal schon meine Name zu viel war &#8211; man sollte die Brutalität von Mitschülern nie unterschätzen, aber auch nicht immer übelnehmen. Wie sollte ich also mit dem Druck umgehen, vor immerhin 60 Besuchern die Geschichte des Kontrabassisten am letzten Pult zu spielen? Einen, der sich gnadenlos in eine der Rheintöchter („Sarah!!!“) verliebt hat und sich in seiner schallisolierten Wohnung für einen Abend in der Oper, wo ihn niemand sieht und wahrnimmt, unter Carlo Maria Giulini (natürlich, ein Italiener) bereit macht? Auf der Studiobühne würde mich allerdings jeder wahrnehmen. Gleichzeitig darf man als 18 jähriger ja auch nicht so einfach das Gesicht verlieren. Und eigentlich vertraute ich P. Leu ja auch. Wenn er meint, dass ich das kann, vielleicht kann ich es dann auch?&nbsp;</p>



<p>Adalbert Kemna kam dazu und gab mir den nötigen Sprachschliff und Rhetorikunterricht. Auch hier fand eine Weichenstellung zu meiner (beruflichen) Zukunft statt: Ich verdanke es ihm, dass ich seither über Bücher reden kann, die ich nur teilweise (oder auch gar nicht) gelesen habe &#8211; ein “Essential Lifeskill” für einen Verlagsmitarbeiter. Aber auch das wäre wirklich wieder eine andere Geschichte.</p>



<p>Statt auf mein Abitur zu lernen, verbrachte ich also einen ganzen Sommer damit, den Text des Kontrabasses zu lernen. Später sah ich einmal die Paryla Version in München und stellte fest, dass P. Leu beim Textstreichen relativ milde war. Wir brauchten damals etwa 90 Minuten, mit Pause also zwei Stunden. Der Profi war nach einer Stunde durch. Leu hatte allerdings gerade die Szenen gnadenlos zusammengestrichen, in denen der namenlose Kontrabassist sein Instrument zu sehr als Ersatzobjekt seiner angebeteten Sarah sublimierte. Ich aber dachte, dass ich diese Streichungen doch später beim Spielen wieder ausgleichen könne, schliesslich konnte er da dann nicht eingreifen. Als Schauspieler und einziger Darsteller hat man schließlich schon einen gewissen Gestaltungsspielraum.</p>



<p>Der Leu lieh mir auch ein Tonbandgerät, mit dem ich Musikclips oder auch den ohrenbetäubenden Krach der Müllabfuhr einspielen konnte. Ich nahm einen Kontrabass mit nach Hause, um dort in meinem Zimmer die Handhabung mit dem Kontrabass einzuüben, damit die Bewegungen mit dem Instrument möglichst natürlich und einigermaßen professionell wirkten. Mittlerweile hatte ich einen Führerschein und die von Herrn Kemna erlernten rhetorischen Kniffe fanden ihre erste sehr praktische Anwendung darin, meine Mutter erfolgreich zu überzeugen, mir das Auto öfter zu überlassen, um zu den Kontrabass-Proben ins Kolleg fahren zu können. So war ich in dieser Zeit, quantitativ gesehen, fast eher „intern“, abgesehen davon, dass ich nicht im Partykeller war oder im Bett zu Hause schlafen konnte. &nbsp;</p>



<p>Aber das Stottern! Leu nahm sich die Zeit, und studierte Nachmittag für Nachmittag den Kontrabass mit mir ein. Seine Zeit, Geduld und Passion, die er in das Projekt investierte, ist im Nachhinein weiterhin schwer in Worte zu fassen.</p>



<p>Ich lernte vom Leu, dass es hilft, zu wissen, was man sagen möchte, und las den Text von einem imaginären Buch im Kopf ab und änderte ihn nicht kurzfristig. Ich lernte, mich auf den Punkt zu konzentrieren und die Umgebung in dem Moment auszublenden, um mich auf das Gegenüber zu konzentrieren. Ich lernte jeden Zentimeter der Bühne kennen und hatte eine Karte mit den Punkten vor Augen, an denen ich einen bestimmten Satz sagen würde.</p>



<p>Auf dem Tisch der Junggesellenwohnung stand ein von mir gemaltes Schild: “Ich kaue gründlich, ich trinke massvoll”. Das war der Code für mich, langsam zu sprechen. Heute noch sage ich mir das vor jedem Vortrag oder einer Präsentation. Das mit dem Trinken war so eine Sache. Der Kontrabassist trank nämlich relativ gerne und relativ viel Bier. Dafür gab es einen echt bayerischen Bierkrug, der für mich allerdings immer nur mit einem Liter „hohes C“ gefüllt war, denn der Kopf musste klar bleiben, um die grammatikalischen Brüche des Textes aufrecht zu halten. Je mehr mein Alter Ego sich also in Rage redete, umso mehr brach die Grammatik auseinander; Sätze erstreckten sich über mehrere Seiten, hatten jegliche Satzstruktur verloren.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="683" height="1024" src="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2023/08/20230708_ArendG7x_17430-Enhanced-NR-683x1024.jpg" alt="" class="wp-image-632" srcset="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2023/08/20230708_ArendG7x_17430-Enhanced-NR-683x1024.jpg 683w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2023/08/20230708_ArendG7x_17430-Enhanced-NR-200x300.jpg 200w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2023/08/20230708_ArendG7x_17430-Enhanced-NR-768x1152.jpg 768w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2023/08/20230708_ArendG7x_17430-Enhanced-NR-1024x1536.jpg 1024w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2023/08/20230708_ArendG7x_17430-Enhanced-NR-1365x2048.jpg 1365w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2023/08/20230708_ArendG7x_17430-Enhanced-NR-scaled.jpg 1706w" sizes="(max-width: 683px) 100vw, 683px" /></figure>



<p>Und dann war da diese wunderbare Passage:</p>



<p><em>“Wissen Sie, was ich brauche?</em></p>



<p><em>Ich brauche eine Frau, die ich nicht kriege.</em></p>



<p><em>Ob so wenig wie ich </em>sie<em> kriege,</em></p>



<p><em>brauche ich auch wieder keine”</em>.</p>



<p>Diesen Satz musste ich also &#8211; ohne zu stottern oder zu lachen &#8211; bringen. Schwierig, in einem akut- bzw. postpubertären Kollegsambiente! Dramaturgisch inszeniert, konnte ich mich danach schnell umdrehen, und einen Schluck Bier &#8211; ehm &#8211; „hohes C“ &#8211; trinken.&nbsp;</p>



<p>Es geschahen jetzt mehrere kleine Wunder: Das erste war, dass ich im grössten Probenstress vollkommen unerwartet in meinem schlechtesten Fach (Altgriechisch) eine eins für eine Übersetzung landete. Bis zum heutigen Tag habe ich dafür keine Erklärung. Ohnehin hatte ich zum Lernen so wenig Zeit, dass ich die wenige Zeit, die ich hatte, optimal nutzen musste. Eine weitere Lehre, die mich ebenso in meinem professionellen Leben weiter begleitet: Immer dann, wenn ich besonders viel um die Ohren habe, kann ich am Besten arbeiten.</p>



<p>Das grössere Wunder war dann aber, dass ich an sechs Abenden den Kontrabass auf die Bühne brachte &#8211; ohne wesentlich zu stottern. Es ging also. Es machte richtig Spass und ich lernte, mit dem Druck umzugehen. Und auch meine Mitschüler waren überrascht. Ob ich mich als echter Kontrabassist getraut hätte, lauthals nach “Sarah!” zu rufen, in einem Saal, in dem es nach “frischgewaschenen Frauenrücken duftet”, bevor Herr Giulini mit wehenden Haaren erscheint? Keine Ahnung. Ich habe mich auf andere Weise getraut.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="682" height="1024" src="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2023/08/20230708_ArendG7x_17427-Enhanced-NR-682x1024.jpg" alt="" class="wp-image-635" srcset="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2023/08/20230708_ArendG7x_17427-Enhanced-NR-682x1024.jpg 682w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2023/08/20230708_ArendG7x_17427-Enhanced-NR-200x300.jpg 200w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2023/08/20230708_ArendG7x_17427-Enhanced-NR-768x1152.jpg 768w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2023/08/20230708_ArendG7x_17427-Enhanced-NR-1024x1536.jpg 1024w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2023/08/20230708_ArendG7x_17427-Enhanced-NR-1365x2048.jpg 1365w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2023/08/20230708_ArendG7x_17427-Enhanced-NR-scaled.jpg 1706w" sizes="(max-width: 682px) 100vw, 682px" /></figure>



<p>Erst kürzlich sprach ich mit einer Wissenschaftlerin aus Yale, die den schönen Satz sagte: “I only take on projects, that make me nauseous at the beginning”. Der Kontrabass war das erste Projekt für mich, bei dem mir am Anfang schlecht wurde. Aber durch das Vertrauen, das auf mich gesetzt wurde, die schrittweise Vorbereitung und die intensive Arbeit daran, wurde es doch umgesetzt und verwirklicht. Pater Leu hat mich bleibend verändert.</p>



<p>Viele Jahre später weiss ich, dass ich am Kolleg immer noch mit dem Kontrabass und der damit verbundenen Transformation in Verbindung gebracht werde. Ich denke nahezu täglich an P. Leu und sein Vertrauen, und versuche, das jetzt auch an Kollegen weiterzugeben, indem ich Aufgaben entsprechend delegiere, und als Coach versuche, Vertrauen zu sich selber aufzubauen.</p>



<p>Das mit dem Stottern habe ich mittlerweile einigermassen im Griff, und ja, ich setze es manchmal als Stilmittel in Vorträgen ein. Herr Kemna wäre stolz.&nbsp;</p>



<p>Eines ist sicher: Ohne das Kolleg, den Kontrabass und P. Leu wäre mein Leben anders verlaufen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kein Internatsleben unter der Gürtellinie </title>
		<link>https://kollegsgeschichten.de/1974/kein-internatsleben-unter-der-guertellinie/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Praschma]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Jul 2023 11:05:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[1974]]></category>
		<category><![CDATA[erziehung]]></category>
		<category><![CDATA[pädagogik]]></category>
		<category><![CDATA[sexualität]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn der Verfasser des folgenden Textes sagt, dass Sexualität (eigentlich) kein Thema im Internat gewesen sei, redet er (eigentlich) von seiner Kollegszeit 1968–1974. Aber auch heute findet sich, zumindest über die Stichwortsuche auf der Kollegswebsite, nichts Konzeptionelles dazu, wenn man „Sexualpädagogik“ oder „Sexualität“ eingibt. Vielleicht täuscht das ja, und hinter den Kulissen ist die jesuitische Erziehung da voll am Ball. Für die Zeit vor 50 Jahren war’s jedenfalls nicht so. Aber natürlich gab es das Thema… ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>„Homosexualität ist ein Schande!“, donnerte Pater F. in die 9. Klasse, und wir schwiegen. Es war kurz still, wir waren peinlich berührt – und feige. Wir hätten unseren Mitschüler in Schutz nehmen können, den F. zwar nicht namentlich genannt, aber erkennbar gemeint hatte. Er war nicht schwul; wir hatten keine Ahnung, wie F. auf den Verdacht gekommen war; es war ein Fremdsprachenfach; F. war kein Präfekt. Wir waren völlig konsterniert.&nbsp;</p>



<p>Die weitgehende Reform des „Schwulenparagraphen“ 175 StGB kam erst 1973. Homosexualität war nicht nur ein schwerer Vorwurf, sexuelle Handlungen waren auch ein Grund für einen Kollegsverweis. Wir hatten kein kritisches Bewusstsein dazu, uns war einfach nur äußerst unbehaglich.&nbsp;</p>



<p><strong>Brevierbeten vor dem Schlafsaal</strong></p>



<p>Sexualisierte Gewalt&nbsp; oder die Missbrauchsfälle, die es ja auch in St. Blasien gab, waren uns unbekannt. Jedenfalls waren sie kein Gesprächsthema. Sie hatten ja auch schon etliche Jahre vor meiner Internatszeit stattgefunden und dann wieder um einiges später. Aber pubertär, wie wir waren, und auch ungehobelt im Umgang mit dem Thema Sexualität, hatten wir grobe Vorstellungen, wie wohl zölibatär lebende Patres und Brüder mit ihrer eigenen Sexualität umgingen, inklusive entsprechender Interpretationen bei der Hand.&nbsp;</p>



<p>Zum Beispiel gab es einen Bruder, der öfters zur Bettgehzeit im Gang vor unserem großen Schlafsaal Brevier betend auf und ab ging. Wir waren der sicheren Ansicht, dass es ihm in Wirklichkeit darum ging, wenig bekleidete 12- bis 14-Jährige zu beobachten, also machten wir uns einen Spaß daraus, mit nacktem Oberkörper an ihm vorbei über den Gang zu den Toiletten zu laufen und ihm so Stielaugen zu machen. Ob er uns in Wirklichkeit nur freundlich angesehen hat – wer weiß? Dazu hatten wir ebenso unsere erhitzten Phantasien wie zu den vermutlichen Wegen der Triebverschiebung bei Pater T., dem unsere Küchenpsychologie ein deutliches Syndrom aus starkem Schwitzen, heftigem Bewegungsdrang und auffallend strikten religiösen bzw. moraltheologischen Äußerungen attestierte.&nbsp;</p>



<p><strong>Nicht jedes Vakuum füllt sich mit Perlen</strong></p>



<p>Sollte es – z. B. im Biologieunterricht – Einheiten zur sexuellen Aufklärung gegeben haben, dann hat das keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Was es ganz sicher nicht gab, war Erziehung zu einem sozialen, achtsamen Umgang mit Sexualität, der über die Einhaltung des sechsten und neunten Gebots hinausgegangen wäre. Was da bei uns entstand, war Wildwuchs, und diese Wildnis war durchaus auch unergötzlich. Unter uns ablaufende Gespräche oder auch nur hingeworfene Bemerkungen waren oft einfach vulgär und gemein. Ein noch eher junges externes Mädchen bekam die Bezeichnung „Kollegsmatratze“ angehängt; ich bezweifle allerdings stark, dass irgendwer von uns überhaupt auch nur eine Ahnung von ihrem Privatleben hatte. Eine Lehrerin war – wohl ohne es jemals zu erfahren – Zielscheibe unseres beißenden Spotts, weil wir glaubten, im Gegenlicht der ins Klassenzimmer scheinenden Sonne einzelne aus dem Reißverschluss ihrer Hose lugende Schamhaare orten zu können. – So in der Art lief das ab.&nbsp;</p>



<p>Kultiviert wurden wir (nach Kräften) intellektuell, sportlich, auch künstlerisch und im allgemeinen Sozialverhalten, aber unser Umgang mit dem anderen Geschlecht und mit Sexualität entsprang ungefiltert einem finsteren Höllenschlund; da machte keiner was dran.&nbsp;</p>



<p>Wo das anders, zivilisierter, anständiger ablief, war es individueller Charakterbildung geschuldet, vielleicht hier und da dem Vermögen Einzelner, erlernte oder mitgebrachte allgemein soziale und ethische Einstellungen auch auf diesen unbeackerten Bereich zu übertragen. Und: Manchmal überwog das starke, ungeschriebene Gesetz der Kameradschaft und ließ z. B. Diskretion walten. Es gab ein schwules Paar in einer anderen als meiner Abteilung. Sie waren vorsichtig, aber es war unter uns weithin bekannt. Ich selbst kam einmal zufällig in die Situation, sie zu „erwischen“. Die beiden waren beliebte Schüler. Sie schafften das Abitur, ohne dass jemand sie verpetzte; ich habe auch nie eine abfällige Bemerkung über sie mitbekommen.&nbsp;</p>



<p>PS: <strong>Fundstücke zur Sexualpädagogik im weitesten Sinne</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>„Anträge der Eltern: … ‚Probleme einer zeitgemäßen Geschlechtserziehung‘ – Frage von Herrn Dr. med. S. hierzu: „Wird in der sexuellen Information am Kolleg genug getan?‘ Die Diskussion hierüber ließ klar erkennen, dass hier noch etwas mehr getan werden kann und werden muss. Ein Möglichkeit ist darin zu sehen, dass sich aus den Reihen der Eltern Ärzte bereitfinden, die in jedem Tertial einen Vortrag übernehmen. …“<br>(Aus einem Protokoll&nbsp; – Kollegsrat? – aus dem Jahr 1970)<br></li>



<li><img decoding="async" width="400" height="331" class="wp-image-599" style="width: 400px;" src="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2023/06/Illustration-Schuelerzeitung.jpg" alt="" srcset="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2023/06/Illustration-Schuelerzeitung.jpg 842w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2023/06/Illustration-Schuelerzeitung-300x248.jpg 300w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2023/06/Illustration-Schuelerzeitung-768x635.jpg 768w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /><br>(Karikatur zur „Pille“ und zur Enzyklika „Humanae Vitae&#8220; in der Schülerzeitung „Aspekte“)<br></li>



<li>„Bei der Sexualerziehung scheint mir ein Problem auch das zu sein, dass sie allzusehr theoretisch ist.“<br>(Antrittsinterview mit Heimleiter P. Kappeler in „Aspekte“)<br></li>



<li>„Das Vordringen der Erotik in Deutschland steht in einem direkten Verhältnis zum Fortschritt der Sozialdemokraten…“<br>(Osservatore Romano, zitiert in „Aspekte“)<br></li>



<li>„Fortbildung und Supervision für Pfarrer und Jugendseelsorge, insbesondere auch zum Umgang mit (der eigenen) Sexualität, um Risiken einzelner Ordensmitglieder zu erkennen“<br>(Empfehlungen zu Präventionsmaßnahmen im Orden im „Bericht über Fälle sexuellen Missbrauchs an Schulen und anderen Einrichtungen des Jesuitenordens – 27. Mai 2010 von Ursula Raue“ (<a href="https://www.jesuiten.org/fileadmin/user_upload/Downloads/Bericht_27_05_2010_aktuell.pdf">Download</a>)</li>
</ul>



<p>{Foto von&nbsp;<a href="https://unsplash.com/@chrisdubai?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Christoph Polatzky</a>&nbsp;auf&nbsp;<a href="https://unsplash.com/de/fotos/EuM7efqpKFg?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a>}</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Krisen</title>
		<link>https://kollegsgeschichten.de/1965/krisen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hieronymus Fürst Clary]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Jun 2023 11:22:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[1965]]></category>
		<category><![CDATA[kubakrise]]></category>
		<category><![CDATA[politik]]></category>
		<category><![CDATA[prägung]]></category>
		<category><![CDATA[radio]]></category>
		<category><![CDATA[weltgeschehen]]></category>
		<category><![CDATA[zeitreise]]></category>
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					<description><![CDATA[Aktuelle Ereignisse bringen dem Autor Erlebnisse aus seiner Kollegszeit detailliert in Erinnerung und er nimmt uns mit auf eine spannende Zeitreise in eine Vergangenheit des Kollegs zu Zeiten der Kuba-Krise. Er schildert anschaulich, wie er das Weltgeschehen damals als heranwachsender Kollegianer wahrnahm, als die Zeitung erst einen Tag später kam, ohne Internet und weder Fernsehen noch Radios waren erlaubt - nur beim Präfekten im Zimmer, wenn dieser denn Zeit hatte.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>11. Juni 2023</strong><br>Seit dem 24. Februar 2022 ist Krieg in der Ukraine, der nun schon 473 Tage andauert. <br>Damals und seitdem immer wieder muss ich an Überlegungen und Befürchtungen denken, die ich ähnlich schon einmal erlebt hatte: Die Zeit, von der ich dabei zu erzählen habe, liegt sehr lange zurück. Es war damals nicht alles anders als heute, aber doch vieles. </p>



<p>Ich kam am 24. April 1956 ins Kolleg St. Blasien. Das Kolleg hatte damals ca. 500 interne Schüler, vielleicht 20 externe Schüler und gar keine Schülerinnen. Schulisch war alles in Klassen gegliedert, im Internat in Abteilungen. Diese wurden von Präfekten geleitet, jungen Jesuiten, die seit ihrem Ordenseintritt bis dahin nur das Noviziat hinter sich hatten.</p>



<p>Jedem dieser Abteilungen war ein Studiensaal, ein Schlafsaal und ein Spielsaal zugeordnet, die altersgerecht ausgestattet waren. Die Kleinen durften fast nichts, aber im Spielsaal der 8. Abteilung, der OA, gab es dann schon einen Billardtisch, Zeitungen und ein Radio. Eigene Radios waren nicht erlaubt, was aber dann zunehmend unterlaufen wurde, je kleiner solche Geräte und je billiger Kopfhörer wurden. Fernsehen aber war streng für die OA reglementiert, es sei denn, dass es so Wichtiges zu sehen gab, wie z.B. 1963 die Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils, was zu diesem Anlass sogar in der Turnhalle auf eine große Leinwand projiziert wurde. </p>



<p>Was sonst aber so in der Welt vorging, erfuhr man im Kolleg nur von den Lehrern, den Präfekten, den Externen oder denjenigen unter uns, die von den Zeitungen auch die ersten Seiten lasen. Ich selbst wollte irgendwann einmal möglichst aktuell informiert sein und ließ mir deshalb ab ca. 1960 eine Tageszeitung abonnieren, die am jeweils nächsten Tag mit der Post kam.</p>



<p>So war ich auch immer über die Entwicklung in Kuba informiert. Nach und nach hatten wir nämlich alle erfahren, daß 1959 ein junger 32-jähriger Rechtsanwalt, der Fidel Castro hieß, in Kuba einen Umsturz der Regierung erreicht hatte. Er beabsichtigte, die Insel vom US-amerikanischen Einfluss zu lösen und begann deshalb, in Kuba den Kommunismus einzuführen, was wiederum im Westen von keiner Regierung begrüßt wurde. Im damals bestehenden Ost-West-Gegensatz führte das vielmehr sofort zur Ablehnung des neuen Regimes durch die USA, und diese Ablehnung wurde durch die zahlreichen Exil-Kubaner verstärkt, denn in Kuba wurde unter Castro dann nicht nur die Mafia enteignet, sondern alle, die etwas hatten oder etwas konnten, und viele davon flohen nach Florida. Um an der Macht zu bleiben, brauchte Castro deshalb aber von woanders her Unterstützung, und die Sowjetunion war dazu nur allzu gerne bereit. Auch die UdSSR hat dies wohl nicht aus kommunistischem Idealismus getan, sondern in der Absicht, endlich unmittelbar vor der US-amerikanischen Küste einen Stützpunkt zu bekommen und damit im Ost-West Konflikt einen wertvollen Stich zu machen. </p>



<p><em>πάντα ῥεῖ</em>, wie der alte Grieche sagt, gilt und galt: Die politische Lage blieb nicht konstant, sondern entwickelte sich. In der Sowjetunion war Nikita Chruschtschow an die Macht gekommen, der amerikanische Präsident hieß ab 1961 John .F Kennedy, und die kubanische Revolution festigte sich, ohne im Westen anerkannt oder geduldet zu werden &#8211; und auch wir Kollegianer wurden jedes Jahr ein Jahr älter. T<em>empora mutantur, nos et mutamur in illis</em>, wie der alte Römer sagt.</p>



<p>So wurde in diesen Jahren im Kolleg auch ein Teil der bis dahin bestehenden Studier- und Schlafsäle umgebaut und zu Studierzimmern mit vier Schreibtischen und Schlafräumen mit sechs Alkoven sowie Waschgelegenheiten eingerichtet. In den beiden Stockwerken über der Küche waren wir in der 7. Abteilung und der OA dann die ersten, die diese Neuerungen beziehen konnten.</p>



<p>Obwohl auch in diesen Zimmern ab 16:15 Uhr bis 18:00 Uhr das übliche Schweigegebot gefordert war und um 21:30 Uhr “<em>Licht aus” </em>galt, ergaben sich doch leichter Gelegenheiten, mit den Kameraden während des Studiums oder dann in den Schlafräumen auch mal über die Sperrstunde hinaus Gespräche zu führen. Man lernte so halt, mit den Gegebenheiten umzugehen, auch wenn es nicht das Einzige, aber auch nicht das Schlechteste war, was wir dort lernten.</p>



<p>Nachmittags war Sport, musische Ausbildung oder Spaziergang, und auf diesen Spaziergängen tauschte man sich &#8211; heranwachsend &#8211; dann weniger über Filme und dergleichen, sondern zunehmend auch über Politik und die politische Lage aus. Neben allem, was auf der Erde geschah, hatte ja auch ein spannender Wettkampf um das Firmament begonnen. Die Sowjetunion, von uns damals eher umgangssprachlich “Russland” genannt, hatte mit Sputnik, dem ersten Satelliten, vorgelegt; die Amerikaner aber, dadurch gereizt, legten verschärft und erfolgreich nach. Sie entwickelten zudem einen Fernaufklärer, die U-2, ein Flugzeug, das aus damals unvorstellbar großen Höhen alles fotografieren konnten, was man sehen und wissen wollte. Man interessierte sich z.B. dafür, ob bei den Russen gute oder schlechte Ernten zu erwarten waren und vieles andere, aber natürlich und vor allem auch für die militärische Infrastruktur.</p>



<p>In dieser Zeit lösten sich auch in Afrika die englischen und französischen Kolonien auf, und fast monatlich entstanden neue Staaten mit neuen Problemen. Es war viel los überall auf der Welt. Immer wieder gab es auch Nachrichten über Kuba, vor allem, als dort eine von Exil-Kubanern durchgeführte Befreiungsinvasion in der Schweinebucht scheiterte. </p>



<p>1962 kam es dann plötzlich zu sensationellen Enthüllungen. Nein, es war kein Fake, wie es Graham Green in seinem „Our man in Havanna&#8220; (sehr lesenswert) geschrieben hat. Tatsächlich entdeckte die CIA durch die Aufklärungsflüge der U-2 Raketenbasen und russische Raketen auf Kuba: 200 Meilen vor Florida, 1.600 Meilen vor Washington, 2.000 Meilen vor New York; Flugzeit 5 min, 20 min, 30 min.</p>



<p>Da war dann Schluss mit Lustig.</p>



<p>„Nur zur Verteidigung“, sagten die Russen.</p>



<p>„Angriffsgeeignet“, sagten die Amerikaner und: „Nicht vor unserer Haustür.&#8220;</p>



<p>„In Finnland und der Türkei gibt es doch auch Raketen“, entgegneten die Russen. </p>



<p>„Nur zur Verteidigung“, erklärten die USA.</p>



<p>Alles so, wie immer &#8211; damals halt.</p>



<p>Aber es schien, als wollten beide Seiten diesmal aus dem bekannten Hick-Hack-Spiel ernst werden lassen. Keiner konnte nachgeben, ohne das Gesicht zu verlieren. Schwierig.</p>



<p>„Abzug“, forderten die Amerikaner.</p>



<p>„Weiterer Ausbau“, beharrten die Russen.</p>



<p>„Dann wird Kuba blockiert“, trumpften die Amerikaner.&nbsp;</p>



<p>„Da brechen wir durch“, stachen die Russen.</p>



<p>So ging es in den Oktober 1962; es wurde bedrückend. Wer würde nachgeben oder nachgeben müssen? Wer würde sich durchsetzen können?</p>



<p>Kennedy konnte nicht nachgeben. Chruschtschow hätte gekonnt, wollte aber nicht. Noch schwieriger.</p>



<p>Man erinnert sich an den Film „12 Uhr mittags&#8220;, in welchem bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Lösung in Sicht war &#8211; außer dem Shoot-out halt. Ganz schwierig.</p>



<p>Und wir in St. Blasien? Zeitung erst einen Tag später, kein Fernsehen, Radios nicht erlaubt, nur beim Präfekten im Zimmer, wenn er Zeit hatte. Schließlich kamen doch die heimlichen Transistor-Radios zum Vorschein. Es war zu wichtig, aktuell informiert zu sein. Es ging um unsere Zukunft!</p>



<p>Die Russen blieben ungerührt. Mehrere Schiffe seien auf dem Weg nach Kuba, wurde verlautbart, eines mit weiteren Raketen schon im Atlantik, begleitet von U-Booten mit Atomwaffen. Die USA hatten sowieso immer Bomber mit Atomwaffen am Himmel.</p>



<p>Das war die Kuba-Krise.</p>



<p><strong>27 .Oktober 1962</strong><br>Die USA verkündet, kein weiteres russisches Schiff mehr nach Kuba zu lassen. Die UdSSR sagt: „Njet, wir fahren”.</p>



<p>Es wird davon berichtet, dass die USA wirklich keinen Bruch der Blockade zulassen werden und bereit seien, Waffengewalt anzuwenden. Beide Seiten erklärten, wenn es dazu komme, würden Atomwaffen eingesetzt. Davon wären auch wir in Europa direkt betroffen.</p>



<p>Die Amerikaner zwingen ein russisches U-Boot zum Auftauchen. Das russische Schiff aber, das auf Kuba zufährt, fährt weiter und befindet sich in der Mitte des Atlantiks, etwa vier Zeitzonen weiter als Europa, Kuba fünf Zeitzonen, Washington sechs.</p>



<p>Bis um 21:00 Uhr St. Blasien (17:00 Uhr Atlantik, 16:00 Uhr Kuba, 15:00 Uhr Washington) hat noch niemand nachgegeben, aber wir müssen schon die Studierzimmer verlassen. Im Schlafraum wird heftig weiter diskutiert. Wird einer nachgeben? Wer wird auf den roten Knopf drücken? Wird das russische Schiff doch anhalten oder gar umdrehen? Werden die Amerikaner die Weiterfahrt doch zulassen? </p>



<p>Jeder von uns ist mal Kennedy und gleich danach wieder Chruschtschow und dann wieder umgekehrt.</p>



<p>Aus unseren kleinen Radios erfährt man nichts Genaues; nur soviel, dass Kennedy ultimativ das Abdrehen des Raketenschiffes gefordert hat, heute noch. 24:00 Uhr Washington ist 01:00 Kuba, 02:00 Atlantik, 06:00 St. Blasien.</p>



<p>Der Präfekt macht die Tür auf: „Licht aus, jetzt, es ist schon 22:15 Uhr! Morgen ist auch noch ein Tag“. Wird morgen noch ein Tag sein ? Wenn die Atomraketen fliegen sollten, wird zwar morgen noch ein Tag sein, aber wir werden ihn wohl nicht mehr erleben. Wir schließen das Schlimmste nicht aus, geben aber doch dem Ruf zur Ordnung nach. Jeder verabschiedet sich von allen fünf anderen, bis wo immer wir auch wieder zusammen sein sollten. </p>



<p>Samstag ist es, 22:30 Uhr (18:30 Uhr Atlantik, 17:30 Uhr Kuba, 16:30 Uhr Washington), als schließlich „Licht aus&#8220; ist. Ich kann noch lange nicht schlafen, weil ich mich noch an so vieles zurückdenke &#8211; und auch mal wieder bete. </p>



<p><strong>28. Oktober1962</strong><br>06:45Uhr; Tür auf, „Guten Morgen, aufstehen!&#8220;</p>



<p>Es war der Präfekt, nicht Petrus oder gar der gerechte Richter. Erleichtert und neugierig fuhren wir aus den Betten.</p>



<p>„Das russische Schiff hat heute Nacht abgedreht.“</p>



<p>Die <a href="https://www.dom-st-blasien.de/die-glocken-des-doms.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Glocken des Doms</a> begannen zu läuten.</p>



<p>Es war Sonntag &#8211; und wir lebten!<br></p>



<p><strong>11. Juni 2023 </strong><br>Jetzt und heute leben wir immer noch.<br> <br>Auch heutzutage noch läuten Glocken den Sonntag ein.<br><br>Wenn nur endlich jetzt auch noch das Schiff abdrehen würde.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>When I get older, losing my hair . . . when I’m sixty-four</title>
		<link>https://kollegsgeschichten.de/1974/when-i-get-older-losing-my-hair-when-im-sixty-four/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Praschma]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Apr 2023 12:47:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[1974]]></category>
		<category><![CDATA[68er]]></category>
		<category><![CDATA[chor]]></category>
		<category><![CDATA[Herbert Kramer]]></category>
		<category><![CDATA[Pater Kiefl]]></category>
		<category><![CDATA[Pater Zieher]]></category>
		<category><![CDATA[prägung]]></category>
		<category><![CDATA[religion]]></category>
		<category><![CDATA[schulstreik]]></category>
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					<description><![CDATA[Michael war gerade 64 geworden, als er von den "Kollegsreflexionen" erfuhr, aus denen jetzt die  "Kollegsgeschichten" geworden sind. Anhand der seinerzeit gestellten Intitialfragen präsentiert er uns nun eine Collage seiner Erinnerungen und ein Resümee seiner Kollegszeit.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Ich war tatsächlich gerade 64, als die Initiatoren der „Kollegsreflexionen“, aus denen jetzt diese Kollegsgeschichten geworden sind, dazu aufriefen, nun ja, eben zu reflektieren: „Wie hat dich das Leben im Kolleg geprägt und gab es in dieser Zeit Erlebnisse, die dich bis heute in deiner Entwicklung begleitet haben?“ Ein Resümee nach – huch! – knapp einem halben Jahrhundert.</p>



<p>Ins Kolleg kam ich1968, ein Jahr nach dem legendären Beatles-Song „When I&#8217;m Sixty-Four“ – nicht ganz freiwillig, denn meine Schulkarriere im staatlichen Gymnasium am Niederrhein hatte in der Untertertia grandios zu scheitern begonnen; aber ich war auch nicht widerwillig, mich in diesen über 500 Kilometer entfernten Ort verpflanzen zu lassen.&nbsp;</p>



<p>Also die Prägungen? Das Kolleg hat vor allem meine sozialen Fähigkeiten und mein ethisches Empfinden geprägt und meinem Denken (und Sprechen und Schreiben) eine dauerhaft tragfähige Struktur verliehen.<br><br>Mein Glück war die Mischung aus jesuitischer Rationalität und der offensiven sozialen Haltung meines zweiten, jetzt weltlichen, Präfekten Herbert Kramer, ausgebildeter Sozialarbeiter, hartnäckiger Hinterfrager und unkonventioneller Typ. Der Chor war daneben eine emotional sehr wichtige Aktivität; ich bin später noch in mehreren anderen Chören gewesen, die mich ebenfalls in mehrfacher Hinsicht bereichert haben. Hier hat der Kollegschor ein Fundament gelegt.<br><br>&nbsp;„Gibt es Erlebnisse, die du in der Rückschau heute anders bewertest als damals?“ – Erlebnisse eigentlich nicht; eher Einstellungen. Ich bin im Laufe meiner Kollegszeit tief religiös geworden, sowohl spirituell als auch &#8222;theologisch&#8220;. Heute bin ich – nach einigen Umwegen – kirchenkritischer Agnostiker. Das bedeutet aber nicht, dass ich mit der religiösen Prägung während meiner Kollegszeit hadere; sie bleibt eine wichtige Phase in meinem Leben.<br><br>&nbsp;<strong>Strenge Führung kann (!) das Verhandlungsgeschick fördern</strong></p>



<p>Was die größten Herausforderungen am Kolleg waren und was ich daraus gelernt habe, lautete eine weitere Frage. Für mich waren das weniger persönliche Herausforderungen als solche, von denen mehr oder weniger die ganze Kollegsgemeinschaft betroffen war. Ich habe mich am Kolleg sehr wohl gefühlt, vor allem, weil ich das dauernde Zusammensein mit Gleichaltrigen genoss. Besonders in der ersten Zeit am Kolleg &#8222;war&#8220; ich eher eine Herausforderung, als dass ich welche erfuhr. P. Zieher, mein erster Präfekt in der 4. Abteilung, schrieb tatsächlich in die erste Internatsbewertung: „Michael hat sich einer revolutionären Gruppe angeschlossen.“ – Begrifflich Unfug; unsere 6er-Tischgruppe war renitent, wenig regeltreu und „a pain in the ass“, aber Umsturzpläne hegten wir nicht.&nbsp;</p>



<p>Eine große <em>allgemeine</em> Herausforderung waren Auseinandersetzungen mit der Kollegsleitung. Dazu zählten u. a. der <a rel="noreferrer noopener" href="https://kollegsgeschichten.de/1971/politikum/" target="_blank">Schulstreik</a> wegen des Verbots, als Kollegsschüler den Jusos beizutreten, und heftige Auseinandersetzungen um die Entlassung eines bei uns sehr beliebten Lehrers, der aber bei der Kollegsleitung missliebig war.<br><br>Ich habe unter anderem als Abteilungsrat und Schülerrat viele harte Verhandlungen geführt, bis hinauf zu Kollegsdirektor P. Kiefl, und meine Fähigkeit, schriftlich und mündlich zu argumentieren, wurde dadurch intensiv geschult. Die gut vermittelte kommunikative und soziale Kompetenz, ein recht breit gestreutes Halbwissen (vulgo: humanistische Bildung) und die Fähigkeit, mich in sehr unterschiedliche Felder einzuarbeiten, sind auch Ergebnisse dieser Prägung durch das Kolleg, die ich bis heute in vielen Zusammenhängen nützlich finde.&nbsp;</p>



<p>Die Vorzüge bzw. Nachteile einer Internatsausbildung gegenüber regulären Schulen liegen für mich sehr klar auf der Hand. Die geübte Gemeinschaft über die schulischen Belange hinaus bietet hervorragende Chancen, eine wesentlich intensivere persönliche Entwicklung durchzumachen, wenn man denn die vielen Angebote aufgreift. Die andere Seite der Medaille ist – jedenfalls für mich – bei dem hohen Maß, in dem ich mich im Kolleg engagiert hatte, dass ich zugleich von meiner Umgebung &#8222;zu Hause&#8220; entwurzelt war. Das Kolleg war am Schluss, nach sechs Jahren und dem Abitur, mein eigentliches Zuhause geworden; ich fiel danach etwa ein Jahr lang in ein ziemlich tiefes Loch, bis ich wieder ein neues Umfeld hatte.<br><br>&nbsp;Aber:&nbsp; You can&#8217;t eat the cake and have it!&nbsp;</p>



<p></p>



<p>(Foto: &#8222;Schock&#8220;-Plakat von Miguel Lockett, Archiv des Autors)</p>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Politikum</title>
		<link>https://kollegsgeschichten.de/1971/politikum/</link>
					<comments>https://kollegsgeschichten.de/1971/politikum/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ivo Gönner]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Feb 2023 19:33:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[1971]]></category>
		<category><![CDATA[Jungsozialisten]]></category>
		<category><![CDATA[politik]]></category>
		<category><![CDATA[Schülerrat]]></category>
		<category><![CDATA[Schülersprecher]]></category>
		<category><![CDATA[streik]]></category>
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					<description><![CDATA[Der erste Schülerstreik im Jesuitenkolleg St. Blasien ereignete sich im Mai 1970 und war ein historisches Ereignis.
Was war da los? Wie war das möglich? 
Der damalige Schülersprecher und Initiator dieser Revolution, Ivo Gönner, erinnert sich.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Im Jahre 1962 betrat ich, ein 10-jähriger kleiner Junge, die Stadt St. Blasien, in der ein Jesuitenkolleg sich befand. Ich lernte in einer Gemeinschaft zu leben, meine individuellen Fähigkeiten langsam zu entwickeln, also mich in einer großen Gesellschaft zurechtzufinden. Meine Erinnerungen schweifen deshalb zurück an das Marschieren in Dreierreihen bei passenden und unpassenden Gelegenheiten, an Mahlzeiten in großen Sälen, fast ausschließlich unter Stillschweigen, an Schlafen und Studieren in ebenso großen Sälen. Meine Gedanken gehen zurück an Pflichtsporttage, strenge Studienzeiten, Besuch von Gottesdiensten und Andachten. Ich erinnere mich an die Filmvorführung an jedem zweiten Sonntag in der Aula, an gerechte und ungerechte Strafen, an sinnvolle und nutzlose Strafarbeiten. An mir ziehen vorüber Lehrer und weniger begabte Erzieher, Pädagogen und solche, die es waren. Kurzum, aus vielen bruchstückartigen Erinnerungen fällt mir vieles Erzählenswerte aus neunjähriger Schulzeit ein.</p>



<p>Ich möchte jedoch in diesem kurzen Artikel der persönlichen Erinnerung eine für die Schule, meine Freunde und mich wichtige Begebenheit aus der Erinnerung schildern, weil sie wohl am deutlichsten das Kolleg im Wandel und den Wandel im Kolleg charakterisieren kann, den ersten Schülerstreik im Mai 1970 in einem Jesuitenkolleg.</p>



<p>Die Vorgeschichte ist kurz erzählt: 10 Schüler der Oberstufe haben damals den formlosen Antrag gestellt, in der Stadt St. Blasien eine Gruppe der Jungsozialisten in der SPD gründen zu dürfen. Die Begründung war einfach und einleuchtend: Der Sozialkundeunterricht würde zur Farce werden, wenn man die theoretischen Kenntnisse nicht in die Praxis umsetzen könne. Die Kollegsleitung reagierte erschrocken, sie sah r o t. Das Vorhaben der Schüler wurde untersagt.</p>



<p>Der Antrag dieser 10 Schüler der Oberstufe war nichts besonderes, es war eine notwendige Fortsetzung der politischen Vorgänge „außerhalb der Kollegsmauern“. Jahre zuvor schon haben die Schüler begonnen, über ihre Möglichkeiten der Mitgestaltung ihres Schul- und Heimalltages nachzudenken. Sie begannen Forderungen betreffend der Reformierung von Heim und Schule zu stellen. Ein Schülerrat war gewählt worden, ein Schülerratsvorsitzender – für ein Jahr auch meine Funktion und Tätigkeit – vertrat die Interessen der Schüler gegen die Kollegsleitung, die Lehrerschaft und nicht zuletzt gegen die Eltern.</p>



<p>Diese zarten und vorsichtigen Emanzipationsschritte wurden im Lauf der Zeit nur schneller. Die Politisierung der Schülerschaft ging voran. Heimleitung und Teile der Eltern- und Lehrerschaft sahen sich immer stärker und oft auch immer ratloser dem Drängen der Schüler ausgesetzt. Ein Konflikt bahnte sich an und wurde zur Zerreißprobe.</p>



<p>Mit dem Verbot der Gründung einer Jungsozialistengruppe waren die Schüler direkt herausgefordert. Gegenmaßnahmen waren fast zwangsläufig die Folge. Nachts wurde die Druckerei „besetzt“, Flugblätter wurden gedruckt, eine Schülervollversammlung wurde einberufen, und das während der Unterrichtszeit. Der Unterrichtsstreik war da, bevor er überhaupt beschlossen war. In der Schülervollversammlung herrschte eine erregte Diskussion über die Gegenmaßnahmen seitens der Schülerschaft. Zwei Auffassungen standen sich gegenüber: Eine Gruppe von Schülern vertrat die Auffassung, daß der Unterricht für drei Stunden boykottiert werden sollte. Eine andere Gruppe von Schülern vertrat die Auffassung, daß der gesamte Unterrichtstag, also fünf Stunden lang, gestreikt werden sollte.</p>



<p>Das Ergebnis der Diskussion war: Nach drei Stunden sollten die Schüler in die Klasse zurück, um in den letzten beiden Schulstunden mit den Lehrern über den Vorfall zu diskutieren. Man könnte fast sagen, ein typischer jesuitischer Kompromiss.</p>



<p>Die Auseinandersetzung endete mit einem Sieg der Forderung der Schülerschaft, die Schüler durften Mitglied jeder politischen Partei sein. Eine baden-württembergische Tageszeitung faßte die Ereignisse, die hohe Wellen schlugen, wie folgt zusammen: <em>„Ein Paradebeispiel demokratischer Willensbildung fochten in den letzten Wochen die Internatsschüler des Jesuiten-Kollegs St. Blasien im Hochschwarzwald aus. Gegen den Widerstand der meisten Lehrer dürfen sie nun tun, was gewöhnlich allen Bürgern der BRD dem Grundgesetz nach erlaubt ist: Sie dürfen Mitglied einer politischen Partei sein“</em>.</p>



<p>Ich habe diese Geschichte aus der Erinnerung wiedergegeben, um zu unterstreichen, dass ich meiner Schulzeit in St. Blasien viel zu verdanken habe, in jeder Beziehung. Meine Individualität wurde geschärft in der jesuitischen Kollektiverziehung. Mein Geist wurde geschult in der Auseinandersetzung mit mir weit überlegenen, klugen &#8211; ja manchmal weisen &#8211; Gesprächspartnern. Den historischen Zeitraum, in dem ich das Kolleg besuchte, konnte ich mir nicht aussuchen, die Zeit selbst suchte uns auch nicht aus. Die gesellschaftlichen Vorgänge und Auseinandersetzungen waren ein Teil von uns jungen Schülern, und wir waren ein Teil dieser sich wandelnden Gesellschaft.</p>



<p>Foto: Abijahrgang 1971, Kollegsarchiv</p>



<p></p>
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		<title>&#8222;My Pult is my castle&#8220; &#8211; Ein Fotoalbum</title>
		<link>https://kollegsgeschichten.de/1974/my-pult-is-my-castle-ein-fotoalbum/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Praschma]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 25 Dec 2022 14:26:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[1974]]></category>
		<category><![CDATA[Adalbert Kemna]]></category>
		<category><![CDATA[chor]]></category>
		<category><![CDATA[ehret]]></category>
		<category><![CDATA[Foidl]]></category>
		<category><![CDATA[Leu]]></category>
		<category><![CDATA[orchester]]></category>
		<category><![CDATA[Pater Zieher]]></category>
		<category><![CDATA[Pleutner]]></category>
		<category><![CDATA[Präfekt]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>
		<category><![CDATA[schlafsaal]]></category>
		<category><![CDATA[Strafstudium]]></category>
		<category><![CDATA[Studium]]></category>
		<category><![CDATA[Wandertag]]></category>
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					<description><![CDATA[Konzertreisen, Wandertage, Absurdes Theater, Fasching und ein Streich mit Folgen. Altkollegianer Michael Praschma hat sein Fotoalbum für uns geöffnet und erlaubt spannende und amüsante Einblicke in seine Kollegszeit Ende der 60er bis Mitte der 70er Jahre.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="385" src="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-2-1024x385.jpg" alt="" class="wp-image-460" srcset="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-2-1024x385.jpg 1024w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-2-300x113.jpg 300w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-2-768x289.jpg 768w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-2-1536x578.jpg 1536w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-2.jpg 1866w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p>Chor und Orchester reisten im Rahmen eines Austauschprojekts vom 22. bis 29. April 1974 nach Wales, untergebracht bei Gastfamilien. Vor Ort wurde, z. B. in der katholischen Kirche von Llandridodd, fleißig geprobt.</p>



<div class="wp-block-media-text is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="978" src="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-1b-3-1024x978.jpg" alt="" class="wp-image-465 size-full" srcset="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-1b-3-1024x978.jpg 1024w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-1b-3-300x287.jpg 300w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-1b-3-768x734.jpg 768w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-1b-3.jpg 1072w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p>Einer Reihe von Auftritten unter Leitung von <strong>Hubert Ehret</strong> folgten meist gesellige Empfänge, bei denen offenbar auch die erreichten oder verfehlten Tonhöhen <br>(hier <strong>P. Leu </strong>mit dem Autor) nachbesprochen &#8230;. </p>
</div></div>



<div class="wp-block-media-text alignwide has-media-on-the-right is-stacked-on-mobile"><div class="wp-block-media-text__content">
<p>&#8230; und wichtige weitere Erledigungen abgehakt wurden (<strong>Herr Ehret</strong> gemeinsam mit <strong>Herrn Pleuter</strong>).</p>
</div><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="882" height="784" src="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-1a.jpg" alt="" class="wp-image-466 size-full" srcset="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-1a.jpg 882w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-1a-300x267.jpg 300w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-1a-768x683.jpg 768w" sizes="(max-width: 882px) 100vw, 882px" /></figure></div>



<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="622" src="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/1c-1024x622.jpg" alt="" class="wp-image-473 size-full" srcset="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/1c-1024x622.jpg 1024w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/1c-300x182.jpg 300w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/1c-768x467.jpg 768w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/1c-1536x933.jpg 1536w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/1c.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p>Abschluss war ein rauschendes Abschiedsfest. Außer den Sopranen&nbsp;&#8230;</p>
</div></div>



<div class="wp-block-media-text alignwide has-media-on-the-right is-stacked-on-mobile"><div class="wp-block-media-text__content">
<p>&#8230; war auch der Reiseleiter und Englischlehrer <strong>Herr Pleuter</strong> ein gefragter Mann.</p>
</div><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-1d-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-474 size-full" srcset="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-1d-1024x683.jpg 1024w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-1d-300x200.jpg 300w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-1d-768x513.jpg 768w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-1d-1536x1025.jpg 1536w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-1d.jpg 1768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure></div>



<div class="wp-block-media-text is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-center"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="761" src="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-1e-1024x761.jpg" alt="" class="wp-image-477 size-full" srcset="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-1e-1024x761.jpg 1024w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-1e-300x223.jpg 300w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-1e-768x571.jpg 768w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-1e-1536x1141.jpg 1536w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-1e.jpg 1766w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p>Die Abreise sorgte in der Folge für herzzerreißende Szenen mit der walisischen Mädchenwelt beim Besteigen des Busses.</p>
</div></div>



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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="686" src="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-3-oben-2-1024x686.jpg" alt="" class="wp-image-483" srcset="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-3-oben-2-1024x686.jpg 1024w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-3-oben-2-300x201.jpg 300w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-3-oben-2-768x515.jpg 768w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-3-oben-2.jpg 1158w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p>Anfang der 70-er Jahre stellte das Kolleg den Schauspieler und Opernsänger <strong>Adalbert Kemna</strong> ein, um eine freiwillige Sprecherziehung anzubieten, über deren erfolgreiche Absolvierung auch ein Zertifikat ausgestellt wurde. Wir lernten etwa, bei dem berühmten Satz <em>„Barbara saß nah Abhang, sprach gar sangbar zaghaft, langsam: Was hallt am Waldbach nah?“ </em>die Zungenspitze bei allen „A“s an der Innenseite der unteren Schneidezähne zu halten. </p>



<p>Öffentlichkeitswirksam wurde die pädagogische Maßnahme durch einen Abend mit Stücken des Absurden Theaters beim Pfingst-Elterntreffen.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="462" src="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Prschma-Bild-3-unten-1024x462.jpg" alt="" class="wp-image-486" srcset="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Prschma-Bild-3-unten-1024x462.jpg 1024w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Prschma-Bild-3-unten-300x135.jpg 300w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Prschma-Bild-3-unten-768x346.jpg 768w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Prschma-Bild-3-unten.jpg 1082w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="1388" height="1436" src="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/4-990x1024.jpg" alt="" class="wp-image-489 size-full" srcset="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/4-990x1024.jpg 990w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/4-290x300.jpg 290w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/4-768x795.jpg 768w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/4.jpg 1388w" sizes="(max-width: 1388px) 100vw, 1388px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p>Die Schlafsäle für die Mittelstufe waren Ende der 60-er Jahre teils noch um die 30 Betten groß und eine Brutstätte für jede Art von Blödsinn – beileibe nicht nur Kissenschlachten. Diese leicht pietätlose „Aufbahrung“ einer vermeintlichen Mordleiche fand beim aufsichtführenden Präfekten Pater Zieher wenig Gefallen und endete, da der ganze Schlafsaal auf die Frage nach dem Urheber standhaft schwieg, mit einem einstündigen nächtlichen Strafstudium im Pyjama.&nbsp;</p>
</div></div>



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<div class="wp-block-media-text alignwide has-media-on-the-right is-stacked-on-mobile"><div class="wp-block-media-text__content">
<p>Unser Genius loci dürfte in diesem Raum, dem „Studium“ der 4. Abteilung 1968, noch herumwabern; immerhin verbrachten wir dort Frühstudium, Hauptstudium, Abendstudium und am Sonntagvormittag auch noch das Briefstudium, außerdem zumindest bei schlechtem Wetter auch viel Freizeit. Es galt „<strong>My Pult is my castle</strong>“; das war eigentlich der (einzige) Kern der Privatsphäre. Beim Briefstudium wurden wir mit der Lieblingsmusik des Präfekten malträtiert – bei Zieher war es, jawohl, Joan Baez.</p>
</div><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="876" src="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/5-1-1024x876.jpg" alt="" class="wp-image-491 size-full" srcset="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/5-1-1024x876.jpg 1024w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/5-1-300x257.jpg 300w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/5-1-768x657.jpg 768w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/5-1-1536x1314.jpg 1536w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/5-1.jpg 1784w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure></div>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="918" height="882" src="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-6-links.jpg" alt="" class="wp-image-493 size-full" srcset="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-6-links.jpg 918w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-6-links-300x288.jpg 300w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-6-links-768x738.jpg 768w" sizes="(max-width: 918px) 100vw, 918px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p><strong>Fasching 1969</strong>: Die Abteilungen hatten Spielsäle, aufgereiht im Kellergang unter den damaligen Sheds, und jede Abteilung überlegte sich eine eigene Gestaltung und ein Angebot, das auch der Abteilungskasse zu Einnahmen verhelfen sollte, weswegen Getränkekonsum nirgends fehlen durfte. – Richtig gelesen: auch Bier und Whisky White!</p>
</div></div>



<div class="wp-block-media-text alignwide has-media-on-the-right is-stacked-on-mobile"><div class="wp-block-media-text__content">
<p>Die Schriftgrafik der Werbeplakate war vom selben Zeitgeist inspiriert wie der Aufdruck auf dem ersten Kollegspulli.&nbsp;</p>
</div><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="944" height="932" src="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-6-rechts.jpg" alt="" class="wp-image-494 size-full" srcset="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-6-rechts.jpg 944w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-6-rechts-300x296.jpg 300w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-6-rechts-768x758.jpg 768w" sizes="(max-width: 944px) 100vw, 944px" /></figure></div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="922" height="618" src="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-7-1.jpg" alt="" class="wp-image-498" srcset="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-7-1.jpg 922w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-7-1-300x201.jpg 300w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/Praschma-Bild-7-1-768x515.jpg 768w" sizes="(max-width: 922px) 100vw, 922px" /></figure>



<p><strong>Wandertage</strong> (hier die Klasse 8b des Jahrgangs 1968/69) führten in für uns so desparat abgelegene Naturjuwele der Umgebung, dass sie sich nur durch lautes Absingen unzüchtiger Lieder und den Konsum ebenso selbstverständlich verbotener wie dennoch mitgeführter Genussgifte ertragen ließen. Wie viel unser <strong>Klassenlehrer Foidl </strong>davon mitbekommen hat, entzieht sich meiner Kenntnis</p>



<p>(Fotos : Archiv des Autors)</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Kolleg &#8211; Der Erzieher &#8211; Der Pädagoge</title>
		<link>https://kollegsgeschichten.de/1958/das-kolleg-der-erzieher-der-paedagoge/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Johann Wilhelm Römer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 Dec 2022 12:13:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[1958]]></category>
		<category><![CDATA[Pater Adamek]]></category>
		<category><![CDATA[Pater Faller]]></category>
		<category><![CDATA[Pater Fiala]]></category>
		<category><![CDATA[prägung]]></category>
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					<description><![CDATA[Altkollegianer Johann Wilhelm Römer (Abi 1958) erinnert sich dankbar und wertschätzend an herausragende Persönlichkeiten seiner Kollegszeit: Pater Faller, Pater Fiala und Pater Adamek. 

Seine Begegnungen mit ihnen wirken nach. Bis heute.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size"><strong>Das Kolleg</strong></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_49268_AB_dgr_Jes_003_Otto-Faller-760x1024.jpg" alt="" class="wp-image-422" width="435" height="585" srcset="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_49268_AB_dgr_Jes_003_Otto-Faller-760x1024.jpg 760w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_49268_AB_dgr_Jes_003_Otto-Faller-223x300.jpg 223w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_49268_AB_dgr_Jes_003_Otto-Faller-768x1034.jpg 768w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_49268_AB_dgr_Jes_003_Otto-Faller-1141x1536.jpg 1141w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_49268_AB_dgr_Jes_003_Otto-Faller-1521x2048.jpg 1521w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_49268_AB_dgr_Jes_003_Otto-Faller-scaled.jpg 1901w" sizes="(max-width: 435px) 100vw, 435px" /><figcaption class="wp-element-caption">P. Faller SJ</figcaption></figure>
</div>


<p></p>



<p>Als ich 1949 in der Sexta die Schulbank drückte, war ich davon überzeugt, daß nach dem lieben Gott <strong>PATER FALLER</strong> einer der bedeutendsten Menschen auf der Welt ist. Ihm begegnete ich mit wirklicher Ehrfurcht, wobei die Betonung gleichermaßen auf beiden Worthälften lag. Wenn seine große, aufrecht schreitende Gestalt, um deren Lippen immer ein feines, wissendes Lächeln spielte, am anderen Ende einer der langen Kollegsgänge erschien, musste ich mich beim langsamen gegenseitigen Annähern fest darauf konzentrieren, ihn nicht mit „gelobt sei Jesus Christus“ sondern mit einem zaghaft gemurmelten „Grüß Gott P. Faller“ zu begrüßen.</p>



<p>Nein, Geschichten erzählte man sich bei uns nicht über P. Faller. Dafür waren die persönlichen Begegnungen von uns ganz jungen Kollegianern mit ihm wohl auch nicht intensiv genug. In unseren Kreisen kursierten auch keine Anekdoten über ihn. Allenfalls flüsterte man sich hinter vorgehaltener Hand zu: „ Der ist unheimlich gescheit, der weiß alles über Gott, spricht alle Sprachen und ist der beste Freund vom Papst“. Und es gab keine Zweifel daran, dass dies alles der Wirklichkeit entsprach, denn es wurde ja schon dadurch bewiesen, dass P. Faller für das Kolleg direkt vom Papst die berühmten Papstwecken bekam, etwas übergroße, aus blütenweißem Mehl gebackene Wecken, die für uns Kriegskinder ein kulinarischer Höhepunkt im wöchentlichen Einerlei der Kollegsküche waren.</p>



<p>Ja, P. Faller war das Kolleg. Zu ihm stand man &#8211; ohne Wenn und Aber,&nbsp; und vor allem, ohne sich wichtigtuerisch in Szene zu setzen. Das war für alle selbstverständlich, weil man sich einer gemeinsamen Sache und einer bemerkenswerten Persönlichkeit verpflichtet wusste.</p>



<p class="has-medium-font-size"><strong>Der Erzieher</strong></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_48701_Fiala-Johannes-842-KB-718x1024.png" alt="" class="wp-image-424" width="396" height="565" srcset="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_48701_Fiala-Johannes-842-KB-718x1024.png 718w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_48701_Fiala-Johannes-842-KB-210x300.png 210w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_48701_Fiala-Johannes-842-KB-768x1095.png 768w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_48701_Fiala-Johannes-842-KB-1077x1536.png 1077w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_48701_Fiala-Johannes-842-KB-1436x2048.png 1436w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_48701_Fiala-Johannes-842-KB.png 1900w" sizes="(max-width: 396px) 100vw, 396px" /><figcaption class="wp-element-caption">P. Fiala SJ</figcaption></figure>
</div>


<p>An <strong>PATER FIALA</strong> kam keiner von uns vorbei. Er war während unseres Aufenthalts im Kolleg unser akzeptierter Ersatzvater. Zu ihm entstand sogar eine gewisse emotionale Bindung: Nicht, dass man sich ihm aufdrängte, sondern eher nach dem Grundsatz „gehe&nbsp; nicht zu deinem Fürst, wenn du nicht gerufen wirst“ &#8211; aber er war in Ordnung. Daraus erwuchsen seine selbstverständliche Autorität, auch ein Vertrauensverhältnis. Man akzeptierte in aller Regel irgendwie seine erzieherischen Maßnahmen, hörte auf ihn und ließ sich von ihm in die Pflicht nehmen.</p>



<p>Er hatte ein gutes Gespür für seine Internatsbuben. Meine Mutter erzählte immer wieder einmal von einer Begegnung bei den in unregelmäßigen Abständen stattfindenden Gesprächen der Eltern mit P. Fiala über ihren Sohn, die natürlich ohne den Betroffenen stattfanden. Meine Mutter hat bei einer solchen Gelegenheit ihr Bedauern zum Ausdruck gebracht, daß ihr Bub zuhause halt so gar nichts von St. Blasien erzähle. P. Fiala hat darauf nur kurz und knapp geantwortet: „Dem lohnt es halt nicht“. Mit wie viel Heiterkeit meine Mutter diese Eröffnung ertragen hat, wollen wir hier nicht weiter vertiefen. Der Satz beweist aber, dass P. Fiala eine Menge Einfühlungsvermögen in die Gemütsverfassung eines Jünglings in den besten Flegeljahren hatte: Solche Phasen muss man gelassen aushalten und sie behutsam begleiten&nbsp; &#8211;&nbsp; eine Erfahrung auch für nachfolgende Generationen.</p>



<p>Mich selbst verbindet mit P. Fiala eine ganz unspektakuläre aber sehr persönliche Begegnung. Es war wohl in der Sekunda und ich musste dort einen für diesen Lebensabschnitt nicht untypischen Durchhänger gehabt haben, der einem sensiblen und aufmerksamen Begleiter wohl auffallen musste.&nbsp; In Frust und Unlust versunken schleppte ich mich in einer Unterrichtspause auf die Sheds. Unerwartet sprach mich plötzlich P. Fiala von der Seite an, den ich bis zu diesem Augenblick überhaupt nicht bemerkt hatte. Nach einem kurzen&nbsp; Frage- und Antwortspiel stellte er sachlich fest: „Aus dir wird einmal etwas“. Damit war das Gespräch beendet und P. Fiala verschwand von meiner Seite. Mich ließ er ziemlich ratlos zurück. Aus meinem „seelischen Tief“ hatte ich damals wohl bald herausgefunden, aber das Erlebnis wirkte nach. Der ganz ungewöhnliche, unübliche und eigentlich schon fast unzulässige Satz &#8211; wie darf ich mich so in die Zukunft eines Menschen hineindrängen&nbsp; &#8211;&nbsp; war weit mehr, als das schulterklopfende, über einen Tag hinwegtröstende „Du-schaffst-das-schon“.&nbsp; Es war eine Feststellung, ganz selbstverständlich und unaufgeregt, ohne jedes Pathos und schon gar nicht mit einem visionären Anspruch. P. Fiala bekannte sich ganz offen dazu, daß er an mich glaubte. Gerade darin lag die Langzeitwirkung: Dieses Erlebnis hat mich in meinem Leben immer wieder einmal eingeholt, gerade dann, wenn ich es mir eigentlich ein bisschen gemütlicher und bequemer machen wollte. Ob P. Fiala heute seine Feststellung als erfüllt bewerten würde, weiß ich nicht, aber sie hat mich immer wieder in die Pflicht genommen.</p>



<p>Es musste schon eine besondere Ausstrahlung von einem Mann ausgehen, wenn ein einziges kurzes Gespräch eine so nachhaltige Wirkung auf einen anderen hat. Es unterstreicht aber auch die Souveränität und Großmütigkeit von P. Fiala, ein Stück seiner eigenen Reputation zu riskieren, wenn es um seine Buben ging. Ja, auch der Erzieher P. Fiala hat wesentlich zum weit über St. Blasien hinausreichenden guten Ruf des Kollegs beigetragen.</p>



<p class="has-medium-font-size"><strong>Der Pädagoge</strong></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_48670_Adamek-Josef-580-KB-1024x941.png" alt="" class="wp-image-426" width="379" height="347" srcset="https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_48670_Adamek-Josef-580-KB-1024x941.png 1024w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_48670_Adamek-Josef-580-KB-300x276.png 300w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_48670_Adamek-Josef-580-KB-768x706.png 768w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_48670_Adamek-Josef-580-KB-1536x1412.png 1536w, https://kollegsgeschichten.de/wp-content/uploads/2022/12/SJ-Bild_48670_Adamek-Josef-580-KB.png 2000w" sizes="(max-width: 379px) 100vw, 379px" /><figcaption class="wp-element-caption">P. Adamek SJ</figcaption></figure>
</div>


<p><strong>PATER ADAMEK</strong>&nbsp; war ein Allrounder. Er begleitete im Laufe seiner Kollegszeit bis ins hohe Alter die unterschiedlichsten, wichtigsten Positionen in der Schule und im Internat.</p>



<p>Aber hauptsächlich war er sicher Lehrer. Ich sehe ihn immer noch auf dem Tisch der ersten Bank sitzend, von wo er gütig, geduldig, einfühlsam aber durchaus auch mit unerbittlicher Strenge und Konzentration seine Stunden durchzog. Er konnte in nahezu allen Fächern einspringen, wenn über kürzere oder längere Zeit ein Lehrer ausfiel. Bei ihm war deshalb Griechisch nie nur Griechisch, sondern immer auch Geschichte, Philosophie, Religion. Er schaffte es sogar, zur Mathematik lebenspraktische Bezüge herzustellen. Wir haben sicher manchmal bei ihm gestöhnt, aber er hat nicht nur gefordert, sondern auch gefördert. Vieles ist bei ihm im Gedächtnis hängen geblieben. Lernen war bei ihm wirklich auch mit einem Stück interessierter und neugieriger Freude verbunden. Schule machte bei ihm irgendwie Spaß. Vielleicht lag es daran, daß er fächerübergreifend, ganzheitlich Wissen vermittelt hat. Er hat Wissensbereiche, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, miteinander verknüpft und Einsichten vermittelt. Erst viel später ist mir klar geworden, daß P. Adamek ganzheitliches Lernen schon praktiziert hat, als das noch keineswegs Inhalt von Curricula war. Dank P. Adamek weiß ich, daß nicht derjenige der Gescheiteste ist, der die meisten Vokabeln kennt und die unterschiedlichsten mathematischen Funktionen ableiten kann,&nbsp; sondern derjenige, der unterschiedliche Bereiche miteinander zu verknüpfen versteht, Zusammenhänge erkennt und so über den Tellerrand hinaus Entscheidungen zu treffen vermag.&nbsp;</p>



<p>Aus meiner Sicht war P. Adamek der wichtigste und bedeutendste Pädagoge in meiner Schulzeit.&nbsp;</p>



<p>Fotos: SJ-Bild</p>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kollegs(er)leben &#8211; davor und danach</title>
		<link>https://kollegsgeschichten.de/1971/kollegserleben-davor-und-danach/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Ehret]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Nov 2022 20:19:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[1971]]></category>
		<category><![CDATA[band]]></category>
		<category><![CDATA[blech]]></category>
		<category><![CDATA[bleiche]]></category>
		<category><![CDATA[chor]]></category>
		<category><![CDATA[extern]]></category>
		<category><![CDATA[kollegswecken]]></category>
		<category><![CDATA[musik]]></category>
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		<category><![CDATA[schulstreik]]></category>
		<category><![CDATA[smv]]></category>
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					<description><![CDATA[Dabeisein und doch nicht ganz dazugehören, das war für viele “Externe” die Realität, ganz besonders in einer Zeit, als “Externe” in der Minderheit waren.  Sie waren zu Hause, und dann doch wieder am Kolleg, und konnten vom ausserschulischen Programm mit etwas Organisationstalent profitieren.  Wie prägend das war, erzählt dieser Beitrag von Michael Ehret. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Eigentlich gibt es in meinem Kollegsleben, oder besser Kollegserleben, Eindrücke und Erlebnisse davor und danach.</p>



<p>Anfang der 50er Jahre trat mein Vater Hubert Ehret in den Dienst am Kolleg als Kirchen- und Schulmusiker. Die damals noch kleine Familie fand eine Bleibe in der „Bleiche“,&nbsp; heute das Musikhaus. Erste Kindheitseindrücke waren die großen Kohlehaufen vor dem Südflügel, eine Sägerei und der Hühnerstall zwischen Bleiche und Forsthaus; bei späterem Gang in den Kindergarten St. Blasien dann auch zahlreiche akustische Eindrücke des Lebens hinter den Klostermauern aus den Klassenzimmern im Südflügel, oder zur Mittagszeit um den Nordturm.</p>



<p>Das Kolleg war aber nicht nur räumlich, sondern tagtäglich in unserem Elternhaus präsent. Kinderohren vernahmen nicht nur Schönes, sondern auch Mühseliges vom Kolleg.</p>



<p>Mit dem Übergang in das Gymnasium, nolens volens natürlich im Kolleg, wurde das bisher Gehörte Realität, und vor allem erlebte man Veränderungen an sich, aber auch im Umfeld zunehmend&nbsp; bewusster. Üblich war damals noch eine schriftliche und mündliche Aufnahmeprüfung, gleichsam der Ersatz der heutigen Schulempfehlungen.&nbsp;</p>



<p>In den folgenden Gymnasialjahren von Sexta bis zur Oberprima sollte vieles nicht mehr so sein, wie es anfangs war. Eine Konstante gab es auf jeden Fall, der Kollegswecken zur großen Schulpause. Bei Regenwetter große Pause auf den Sheds, heutige Ostflügel, hinter einem Drahtverhau. Turnen, Theater, Konzerte in der alten Turnhalle im Osthof, heute abgerissen. Patres in schwarzer Umwandung mit weißem Kragen. Eindrücklich auch die Maiandachten im Wald Richtung Lehenkopf.</p>



<p>Wie war es dann Anfang des Siebziger?</p>



<p>Zum Kollegswecken kam noch der Milchverkauf. Der Ostflügel war in der Planung, das Hallenbad war gebaut, die alte Turnhalle stand noch. Die Patres trugen jetzt meist Alltagskleidung. Die Maiandacht im Wald fand nicht mehr statt. Orchestermessen nur noch an hohen Festtagen, dafür sogenannte Beat- oder Jazzmessen in wechselnden Formationen. Erst mit Gospels, später auch mit sogenanntem Neuen Geistlichen Liedgut.&nbsp;</p>



<p>Die Musik am Kolleg war nicht nur durch die Praxis im Chor, Orchester, Blechkapelle, und das Üben in der Musikabteilung (damals neben dem Hallenbad ) an diversen Instrumenten geprägt. Aus den Kellern waren auch rockige und jazzige Töne zu hören. Das Equipment der Band bestand oft nur aus zusammengebastelten alten Röhrenradios, billigen elektrischen Gitarrenhobel und technischer Improvisation. Irgendwie aber auch Kult.</p>



<p>Politisches Bewusstsein der Schülerschaft war durch die 68- Bewegung geweckt. Denkwürdig ein Abend mit dem Sozialistischen Studentenbund (SDS) aus Freiburg, moderiert von Nikolaus Brender. Eine chaotische Diskussion, die mit dem Hinweis auf das Hausrecht durch den damaligen Rektor Pater Kiefl beendet wurde. Schulstreik wegen Ungleichbehandlung von Junger Union und Jungsozialisten. Einführung der Schülermitverwaltung.</p>



<p>War der Abschied nach bestandenem Abitur in den Sechzigern noch eine feierliche Schulversammlung in der Aula mit Zeugnisübergabe, Festreden und Orchester, so war unser Abschied 1971 in Folge modernistischer Zwänge sehr nüchtern. Immerhin noch ein gemeinsames Abendessen. Heute tut es so manchem leid, und die heutige Kollegsgemeinschaft ist auch wieder diesbezüglich zu den schönen Formalien zurückgekehrt.&nbsp;</p>



<p>Nach dem Abitur habe ich die weiteren Geschehnisse am Kolleg, z.B. Kollegsbrand und Wiederaufbau, wiederum über das Elternhaus miterlebt.&nbsp;</p>



<p>Aus der Sicht eines heute 70 Jährigen ist vieles natürlich verklärt. Die seelischen Nöte als Internatsschüler habe ich nicht kennengelernt, meine Kinder sind alle zu Hause aufgewachsen. Jedoch fand meine Jugendzeit auch neben der Schule im Kolleg statt, und viele Freundschaften habe ich dort gefunden.</p>



<p>Gerne kommt unser Jahrgang zum Altschülertreffen und vor allem auch zum Klassentreffen, das der Jahrgang 1971 bis heute durchgehalten hat.</p>



<p><em>(Foto: Altkollegianer <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.wolfgangstahl.com" target="_blank">Wolfgang Stahl</a>)</em></p>



<p></p>
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			</item>
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