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	<title>1971 &#8211; KOLLEGSGESCHICHTEN</title>
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	<description>Geschichten vom Kolleg Sankt Blasien</description>
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		<title>Politikum</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ivo Gönner]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Feb 2023 19:33:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[1971]]></category>
		<category><![CDATA[Jungsozialisten]]></category>
		<category><![CDATA[politik]]></category>
		<category><![CDATA[Schülerrat]]></category>
		<category><![CDATA[Schülersprecher]]></category>
		<category><![CDATA[streik]]></category>
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					<description><![CDATA[Der erste Schülerstreik im Jesuitenkolleg St. Blasien ereignete sich im Mai 1970 und war ein historisches Ereignis.
Was war da los? Wie war das möglich? 
Der damalige Schülersprecher und Initiator dieser Revolution, Ivo Gönner, erinnert sich.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Im Jahre 1962 betrat ich, ein 10-jähriger kleiner Junge, die Stadt St. Blasien, in der ein Jesuitenkolleg sich befand. Ich lernte in einer Gemeinschaft zu leben, meine individuellen Fähigkeiten langsam zu entwickeln, also mich in einer großen Gesellschaft zurechtzufinden. Meine Erinnerungen schweifen deshalb zurück an das Marschieren in Dreierreihen bei passenden und unpassenden Gelegenheiten, an Mahlzeiten in großen Sälen, fast ausschließlich unter Stillschweigen, an Schlafen und Studieren in ebenso großen Sälen. Meine Gedanken gehen zurück an Pflichtsporttage, strenge Studienzeiten, Besuch von Gottesdiensten und Andachten. Ich erinnere mich an die Filmvorführung an jedem zweiten Sonntag in der Aula, an gerechte und ungerechte Strafen, an sinnvolle und nutzlose Strafarbeiten. An mir ziehen vorüber Lehrer und weniger begabte Erzieher, Pädagogen und solche, die es waren. Kurzum, aus vielen bruchstückartigen Erinnerungen fällt mir vieles Erzählenswerte aus neunjähriger Schulzeit ein.</p>



<p>Ich möchte jedoch in diesem kurzen Artikel der persönlichen Erinnerung eine für die Schule, meine Freunde und mich wichtige Begebenheit aus der Erinnerung schildern, weil sie wohl am deutlichsten das Kolleg im Wandel und den Wandel im Kolleg charakterisieren kann, den ersten Schülerstreik im Mai 1970 in einem Jesuitenkolleg.</p>



<p>Die Vorgeschichte ist kurz erzählt: 10 Schüler der Oberstufe haben damals den formlosen Antrag gestellt, in der Stadt St. Blasien eine Gruppe der Jungsozialisten in der SPD gründen zu dürfen. Die Begründung war einfach und einleuchtend: Der Sozialkundeunterricht würde zur Farce werden, wenn man die theoretischen Kenntnisse nicht in die Praxis umsetzen könne. Die Kollegsleitung reagierte erschrocken, sie sah r o t. Das Vorhaben der Schüler wurde untersagt.</p>



<p>Der Antrag dieser 10 Schüler der Oberstufe war nichts besonderes, es war eine notwendige Fortsetzung der politischen Vorgänge „außerhalb der Kollegsmauern“. Jahre zuvor schon haben die Schüler begonnen, über ihre Möglichkeiten der Mitgestaltung ihres Schul- und Heimalltages nachzudenken. Sie begannen Forderungen betreffend der Reformierung von Heim und Schule zu stellen. Ein Schülerrat war gewählt worden, ein Schülerratsvorsitzender – für ein Jahr auch meine Funktion und Tätigkeit – vertrat die Interessen der Schüler gegen die Kollegsleitung, die Lehrerschaft und nicht zuletzt gegen die Eltern.</p>



<p>Diese zarten und vorsichtigen Emanzipationsschritte wurden im Lauf der Zeit nur schneller. Die Politisierung der Schülerschaft ging voran. Heimleitung und Teile der Eltern- und Lehrerschaft sahen sich immer stärker und oft auch immer ratloser dem Drängen der Schüler ausgesetzt. Ein Konflikt bahnte sich an und wurde zur Zerreißprobe.</p>



<p>Mit dem Verbot der Gründung einer Jungsozialistengruppe waren die Schüler direkt herausgefordert. Gegenmaßnahmen waren fast zwangsläufig die Folge. Nachts wurde die Druckerei „besetzt“, Flugblätter wurden gedruckt, eine Schülervollversammlung wurde einberufen, und das während der Unterrichtszeit. Der Unterrichtsstreik war da, bevor er überhaupt beschlossen war. In der Schülervollversammlung herrschte eine erregte Diskussion über die Gegenmaßnahmen seitens der Schülerschaft. Zwei Auffassungen standen sich gegenüber: Eine Gruppe von Schülern vertrat die Auffassung, daß der Unterricht für drei Stunden boykottiert werden sollte. Eine andere Gruppe von Schülern vertrat die Auffassung, daß der gesamte Unterrichtstag, also fünf Stunden lang, gestreikt werden sollte.</p>



<p>Das Ergebnis der Diskussion war: Nach drei Stunden sollten die Schüler in die Klasse zurück, um in den letzten beiden Schulstunden mit den Lehrern über den Vorfall zu diskutieren. Man könnte fast sagen, ein typischer jesuitischer Kompromiss.</p>



<p>Die Auseinandersetzung endete mit einem Sieg der Forderung der Schülerschaft, die Schüler durften Mitglied jeder politischen Partei sein. Eine baden-württembergische Tageszeitung faßte die Ereignisse, die hohe Wellen schlugen, wie folgt zusammen: <em>„Ein Paradebeispiel demokratischer Willensbildung fochten in den letzten Wochen die Internatsschüler des Jesuiten-Kollegs St. Blasien im Hochschwarzwald aus. Gegen den Widerstand der meisten Lehrer dürfen sie nun tun, was gewöhnlich allen Bürgern der BRD dem Grundgesetz nach erlaubt ist: Sie dürfen Mitglied einer politischen Partei sein“</em>.</p>



<p>Ich habe diese Geschichte aus der Erinnerung wiedergegeben, um zu unterstreichen, dass ich meiner Schulzeit in St. Blasien viel zu verdanken habe, in jeder Beziehung. Meine Individualität wurde geschärft in der jesuitischen Kollektiverziehung. Mein Geist wurde geschult in der Auseinandersetzung mit mir weit überlegenen, klugen &#8211; ja manchmal weisen &#8211; Gesprächspartnern. Den historischen Zeitraum, in dem ich das Kolleg besuchte, konnte ich mir nicht aussuchen, die Zeit selbst suchte uns auch nicht aus. Die gesellschaftlichen Vorgänge und Auseinandersetzungen waren ein Teil von uns jungen Schülern, und wir waren ein Teil dieser sich wandelnden Gesellschaft.</p>



<p>Foto: Abijahrgang 1971, Kollegsarchiv</p>



<p></p>
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		<title>Kollegs(er)leben &#8211; davor und danach</title>
		<link>https://kollegsgeschichten.de/1971/kollegserleben-davor-und-danach/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Ehret]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Nov 2022 20:19:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[1971]]></category>
		<category><![CDATA[band]]></category>
		<category><![CDATA[blech]]></category>
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		<category><![CDATA[politik]]></category>
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					<description><![CDATA[Dabeisein und doch nicht ganz dazugehören, das war für viele “Externe” die Realität, ganz besonders in einer Zeit, als “Externe” in der Minderheit waren.  Sie waren zu Hause, und dann doch wieder am Kolleg, und konnten vom ausserschulischen Programm mit etwas Organisationstalent profitieren.  Wie prägend das war, erzählt dieser Beitrag von Michael Ehret. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Eigentlich gibt es in meinem Kollegsleben, oder besser Kollegserleben, Eindrücke und Erlebnisse davor und danach.</p>



<p>Anfang der 50er Jahre trat mein Vater Hubert Ehret in den Dienst am Kolleg als Kirchen- und Schulmusiker. Die damals noch kleine Familie fand eine Bleibe in der „Bleiche“,&nbsp; heute das Musikhaus. Erste Kindheitseindrücke waren die großen Kohlehaufen vor dem Südflügel, eine Sägerei und der Hühnerstall zwischen Bleiche und Forsthaus; bei späterem Gang in den Kindergarten St. Blasien dann auch zahlreiche akustische Eindrücke des Lebens hinter den Klostermauern aus den Klassenzimmern im Südflügel, oder zur Mittagszeit um den Nordturm.</p>



<p>Das Kolleg war aber nicht nur räumlich, sondern tagtäglich in unserem Elternhaus präsent. Kinderohren vernahmen nicht nur Schönes, sondern auch Mühseliges vom Kolleg.</p>



<p>Mit dem Übergang in das Gymnasium, nolens volens natürlich im Kolleg, wurde das bisher Gehörte Realität, und vor allem erlebte man Veränderungen an sich, aber auch im Umfeld zunehmend&nbsp; bewusster. Üblich war damals noch eine schriftliche und mündliche Aufnahmeprüfung, gleichsam der Ersatz der heutigen Schulempfehlungen.&nbsp;</p>



<p>In den folgenden Gymnasialjahren von Sexta bis zur Oberprima sollte vieles nicht mehr so sein, wie es anfangs war. Eine Konstante gab es auf jeden Fall, der Kollegswecken zur großen Schulpause. Bei Regenwetter große Pause auf den Sheds, heutige Ostflügel, hinter einem Drahtverhau. Turnen, Theater, Konzerte in der alten Turnhalle im Osthof, heute abgerissen. Patres in schwarzer Umwandung mit weißem Kragen. Eindrücklich auch die Maiandachten im Wald Richtung Lehenkopf.</p>



<p>Wie war es dann Anfang des Siebziger?</p>



<p>Zum Kollegswecken kam noch der Milchverkauf. Der Ostflügel war in der Planung, das Hallenbad war gebaut, die alte Turnhalle stand noch. Die Patres trugen jetzt meist Alltagskleidung. Die Maiandacht im Wald fand nicht mehr statt. Orchestermessen nur noch an hohen Festtagen, dafür sogenannte Beat- oder Jazzmessen in wechselnden Formationen. Erst mit Gospels, später auch mit sogenanntem Neuen Geistlichen Liedgut.&nbsp;</p>



<p>Die Musik am Kolleg war nicht nur durch die Praxis im Chor, Orchester, Blechkapelle, und das Üben in der Musikabteilung (damals neben dem Hallenbad ) an diversen Instrumenten geprägt. Aus den Kellern waren auch rockige und jazzige Töne zu hören. Das Equipment der Band bestand oft nur aus zusammengebastelten alten Röhrenradios, billigen elektrischen Gitarrenhobel und technischer Improvisation. Irgendwie aber auch Kult.</p>



<p>Politisches Bewusstsein der Schülerschaft war durch die 68- Bewegung geweckt. Denkwürdig ein Abend mit dem Sozialistischen Studentenbund (SDS) aus Freiburg, moderiert von Nikolaus Brender. Eine chaotische Diskussion, die mit dem Hinweis auf das Hausrecht durch den damaligen Rektor Pater Kiefl beendet wurde. Schulstreik wegen Ungleichbehandlung von Junger Union und Jungsozialisten. Einführung der Schülermitverwaltung.</p>



<p>War der Abschied nach bestandenem Abitur in den Sechzigern noch eine feierliche Schulversammlung in der Aula mit Zeugnisübergabe, Festreden und Orchester, so war unser Abschied 1971 in Folge modernistischer Zwänge sehr nüchtern. Immerhin noch ein gemeinsames Abendessen. Heute tut es so manchem leid, und die heutige Kollegsgemeinschaft ist auch wieder diesbezüglich zu den schönen Formalien zurückgekehrt.&nbsp;</p>



<p>Nach dem Abitur habe ich die weiteren Geschehnisse am Kolleg, z.B. Kollegsbrand und Wiederaufbau, wiederum über das Elternhaus miterlebt.&nbsp;</p>



<p>Aus der Sicht eines heute 70 Jährigen ist vieles natürlich verklärt. Die seelischen Nöte als Internatsschüler habe ich nicht kennengelernt, meine Kinder sind alle zu Hause aufgewachsen. Jedoch fand meine Jugendzeit auch neben der Schule im Kolleg statt, und viele Freundschaften habe ich dort gefunden.</p>



<p>Gerne kommt unser Jahrgang zum Altschülertreffen und vor allem auch zum Klassentreffen, das der Jahrgang 1971 bis heute durchgehalten hat.</p>



<p><em>(Foto: Altkollegianer <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.wolfgangstahl.com" target="_blank">Wolfgang Stahl</a>)</em></p>



<p></p>
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